Wo Energie lebendig wird

Stadtwerke Münster zeigen Ausstellung der Künstlerin Andrea Aupers

Wie fühlt sich Energie an? Dieser Frage widmet sich die Künstlerin und Autorin Andrea Aupers mit ihrer Ausstellung „Wo Energie lebendig wird“. Im Stadtwerke-Hauptgebäude zeigt sie 18 Werke in Acryl, Öl und Mixed Media. Die Bilder greifen das Zusammenspiel von Farbe, Form und Resonanz auf und laden Besucherinnen und Besucher dazu ein, Energie aus einer neuen Perspektive zu erleben.

Die Werke von Andrea Aupers sind bis zum 2. Oktober am Hafenplatz zu sehen.
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Hilfe für heimische Wildtiere

Sonderausstellung in der Biologischen Station Rieselfelder

Es wird noch etwas dauern, bis die ersten Jungvögel aus ihrem Eiern schlüpfen. Trotzdem weist die Biologische Station Rieselfelder gemeinsam mit dem Nestwerk Münster, einem lokalen Tierschutzverein, auf gefährliche Situation von „Nestlingen“ und „Ästlingen“ hin. In Broschüren und mit einer Ausstellung in der Biologischen Station Rieselfelder an der Coermühle 181, die bis Ende Mai kostenfrei besichtigt werden kann, wird verdeutlicht, wie Finder*innen „Jungvögeln außerhalb des Nestes richtig helfen“ können.

„Die Biologische Station Rieselfelder Münster erreichen regelmäßig Anrufe von besorgten Bürgerinnen und Bürgern, die um Rat im Umgang mit in Not geratenen Tieren nachfragen. Zumeist handelt es sich dabei um Wildtiere. Mensch und Tier möglichst schnell an eine kompetente Hilfsperson zu vermitteln, ist nicht immer einfach und der Stationsmitarbeitenden auch nicht in jedem Fall möglich“, verdeutlichte Dr. Thomas Krämer, Leiter der Biologischen Station in den Rieselfeldern bei Gelmer, warum sein Haus mit dem Tierschutzverein Nestwerk Münsterland bei der Hilfe für heimische Wildtiere zusammenarbeitet. Für die aktuelle Ausstellung in der Station, so Dr. Krämer, hätten sie dem Nestwerk „gerne vorübergehend Platz in ihrer Dauerausstellung zur Verfügung gestellt.“

Auch verschiedene Nist-, Brut- und Futterhäuschen für Vögel und auch Fledermäuse werden aktuell in der Ausstellung in den Rieselfeldern gezeigt. (Fotos: Werner Szybalski)

Kompetenter und verlässlicher Partner

Eine „kompetente Hilfsperson“ für die Mitarbeiter*innen der Biologischen Station ist bei schnell notwendiger Wildtierhilfe Dirk Heidotting vom Nestwerk-Vorstand. Er könnte am anderen Ende der Leitung unter der Telefonnummer 0176/21388851 sein, wenn Menschen Wildtiere in Not finden und nicht wissen, wie sie sinnvoll und Tierleben schützend oder gar rettend eingreifen sollen.

„Grünspechte, Igel, Rehe, Eichhörnchen, Wildtauben, Siebenschläfer – auch in Münster gibt es eine große Vielzahl an Wildtieren. Sie leben mit uns in der Stadt, brüten in hohen Gebäuden, wuseln nachts durch unsere Gärten, drehen ihre Runden auf dem Aasee und begegnen uns beim Spaziergang auf der Promenade. doch Wildtiere sind von Natur aus scheu und meiden die Nähe der Menschen, oft sehen wir sie nur, wenn sie Hilfe benötigen“, verdeutlicht der Tierschutzverein Nestwerk Münsterland in einem in der Ausstellung ausliegenden Flyer. Einen speziellen Blick richtet die Ausstellung aber auf Jungvögel außerhalb ihres Nestes.

Jungvögeln außerhalb des Nestes richtig helfen

Ein Schwerpunkt in der Ausstellung ist die bald anstehende Hilfe für Jungvögel, die außerhalb ihres Nestes gefunden werden. Dabei, so Dirk Heidotting, sei zwischen „Nestlingen“ und „Ästlingen“ zu unterscheiden. „Ein Nestling ist grundsätzlich hilfsbedürftig, während ein Ästling eigentlich keine Hilfe benötigt“, verdeutlichte Dirk Heidotting, was auf großen Tafeln auch in der Ausstellung nachzulesen ist.

Nestlinge wären unbefiedert, hätten die Augen geschlossen, könnten sich nicht auf den Beinen halten, sind offensichtlich auf ihr Nest und die Fürsorge ihrer Eltern angewiesen, die sie rund um die Uhr versorgen müssten, also zum Beispiel Nahrung herbeischaffen oder es im Nest warm halten. Ästlinge wären hingegen schon bereit die Nahrungsaufnahme selbstständig zu lernen. Diese verließen auch schon mal ihr Nest oder ihre Bruthöhle und hielten sich auf Ästen auf, obwohl sie immer noch die Unterstützung ihrer Eltern – insbesondere bei der Nahrungsbeschaffung – bräuchten.

Jungvogelfund am Boden

Befindet sich ein Ästling oder Nestling auf dem Boden, muss zunächst geklärt werden, ob der Vogel krank oder verletzt ist? Schnell geklärt ist die Frage: Ästling oder Nestling? Ästlinge stehen schon auf ihren eigenen Füßen und Nestlinge „sitzen“ auf ihren gesamten unteren Beinabschnitt. Bei Ästlingen tauchen grundsätzlich auch nur kurzer Zeit immer die Elterntiere auf. Wenn Sie einen Ästling finden, dann sollten sie nach kurzer Zeit beobachten können wie ein Elternteil vorbeifliegt und ihn mit Futter versorgt. Lassen sie den Ästling dann einfach an Ort und Stelle und nehmen sie ihn auf keinen Fall mit nach Hause. Es ist normal, dass Ästlinge öfters alleine auf dem Ast sitzen. Sie sind nicht mit verwaisten Jungvögeln zu verwechseln. Es ist normal, dass Ästlinge öfters alleine auf dem Ast sitzen, weshalb sie manchmal für verwaiste Jungvögel gehalten werden.

Das gut gemeinte „Retten“ eines Ästlings könnte dem Jungvogel den Schutz seiner Eltern entziehen. Er sollte deshalb an Ort und Stelle bleiben, höchstens von der Straße oder anderen gefährlichen Orten in ein Gebüsch oder auf einen Ast in unmittelbarer Nähe gesetzt werden, damit die Altvögel ihn wiederfinden.

Bei einem Nestling hingegen, ist mehr Unterstützung möglich und vielleicht auch nötig. Es kann nämlich schon mal passieren, dass ein Jungvogel aus Versehen aus dem Nest fällt. Wird ein Nestling auf dem Boden gefunden und Krankheiten und Verletzungen können ausgeschlossen werden, sollte der Jungvogel zurück in das Nest gesetzt werden, sofern es denn auffindbar ist.

Dabei soll die Vogelfamilie möglichst wenig gestört werden. Häufig ist die Wiedereinsetzung in das Nest erfolgreich, denn Vögel werden, anders als bei Wildtieren wie zum Beispiel dem Reh, nach dem menschlichen Kontakt wieder von ihren Elterntieren aufgenommen. Sie schreckt höchstens der Geruch von Hunden und Katzen, nicht aber von Menschen ab. Sollte kein Nest in der Nähe zu finden sein, muss der Nestling warm gehalten werden. Allerdings darf weder Futter noch Flüssigkeit dem Jungvogel gegeben werden, bis Hilfe zum Beispiel vom Tierschutzverein Nestwerk Münsterland telefonisch geholt wurde.

Dr. Thomas Krämer (l.) von der Biologischen Station Rieselfelder und Dirk Heidotting vom Verein Nestwerk Tierhilfe führten durch die kostenfrei zu besichtigende Sonderausstellung in der Coerheide 181.

Hilfe zur Selbsthilfe

Rund 2500 Mal, davon kämen 60 Prozent der Hilfegesuche aus Münster, im Jahr würde das Nestwerk kontaktiert. Die 25 aktiven Vereinsmitglieder, insgesamt gehören dem Verein 260 Personen an, versuchten möglichst den Anrufer*innen „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu leisten. „Die Maßnahmen in der Stadt sind nicht sehr optimal. Die Anzahl der Arten und auch der Wildtiere insgesamt nimmt in Münster ab. Wir versuchen deshalb selbst und auch mit den Menschen, die uns kontaktieren, konkret etwas für die Wildtiere in der Stadt zu tun und natürlich auch deren Lebensumfeld zu schützen“, verdeutlicht Dirk Heidotting. Dafür gibt es Tipps – auch kostenfrei beim Besuch der Ausstellung in der Biologischen Station Rieselfelder – wie ganzjährig den heimischen Wildvögeln geholfen werden kann, wie Igel richtig unterstützt werden oder wie für Tiere gegärtnert werden kann. Bei der wildtierfreundlichen Umstellung des eigenen Gartens hilft das Nestwerk natürlich auch, aber auch Gruppierungen wie NaturGarten Münsterland stehen gern mit Rat und Tat zur Seite.

„Zwischen Erfolg und Verfolgung“ – jüdische Sportler bis 1933 und danach

Oberbürgermeister Markus Lewe (v. l. n. r.), Sharon Fehr, der Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Münster, Christoph Strässer, Präsident des SC Preußen Münster, und Kurator Dr. Henry Wahlig bei der Ausstellungseröffnung. (Foto: Stadt Münster/MünsterView.)

Ausstellung mit überlebensgroßen Sportler*innen-Silhouetten auf dem Überwasserkirchplatz

Kugelstoßen, Diskuswurf, Weitsprung – das waren Lilli Henochs Disziplinen. Zehnmal wurde sie in den 1920er-Jahren Deutsche Meisterin, war eine gefeierte Leichtathletin, die mehrere Weltrekorde brach und leitend tätig war im Berliner Sport-Club. Mit dem Aufkommen der Nationalsozialisten wendete sich das Blatt für die erfolgreiche jüdische Sportlerin. 1933 wurde sie vom Verein ausgeschlossen, fand später gerade noch eine Anstellung als Turnlehrerin einer jüdischen Schule. 1942 wurde sie erschossen – noch während eines Transportes in das Ghetto von Riga. 42 Jahre alt war Lilli Henoch da.

Bewegende Biografien von 17 herausragenden deutsch-jüdischen Sportlern erzählt die Wanderausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung. Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach„. Aufgebaut ist sie bis zum 25. Juli auf dem Überwasserkirchplatz. Überlebensgroße Silhouetten erinnern dort an das Leben der Nationalspieler, Welt- und Europameister, Olympiasieger und Rekordhalter, an ihre Verdienste für den Sport – und an die Zeit, in der sie Opfer des Rassenwahns der nationalsozialistischen Gesellschaft wurden. Das Friedensbüro von Münster Marketing hat die Ausstellung des Zentrums Deutsche Sportgeschichte e.V. (Berlin) gemeinsam mit einem breiten Netzwerk von Partnern nach Münster geholt. Mitten in der Innenstadt wird sie zu einem Ort des Innehaltens und Nachdenkens – ein Stolperstein, der ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte aufschlägt, aber auch in die Gegenwart weist und für Toleranz und Freiheit wirbt.

Vielfältiges Rahmenprogramm

Denn nur, weil sie Juden waren, wurden die vorgestellten Frauen und Männer aus ihren Vereinen ausgeschlossen, Titel wurden ihnen aberkannt. Dem deutschen Fußballpionier Walther Bensemann, Mitbegründer des Deutschen Fußball-Bundes, blieb wie vielen anderen nur die Flucht. Der Fußballnationalspieler Julius Hirsch wurde deportiert und ermordet. Ralph Klein entkam nur knapp der Deportation nach Auschwitz. Nach dem Krieg war er israelischer, später deutscher Basketball-Nationaltrainer. Die Ausstellung bietet mit der Schwimmerin Sarah Poewe aber auch einen Ausblick: Als erste jüdische Athletin nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gewann sie 2004 in Athen eine olympische Medaille für Deutschland.

Begleitend zur Ausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung“ bieten die Veranstalter und Kooperationspartner ein vielfältiges Rahmenprogramm an. Im Werkstattgespräch „Überdehnen und Verbiegen“ geht es um Körper- und Führerkult in der NS-Zeit (1. Juli), in einer Podiumsdiskussion um Jüdischen Sport in Deutschland und im Münster der 1930er-Jahre (5. Juli). Ein Workshop schlägt den Bogen in die heutige Zeit und tritt ein gegen Ausgrenzung im Sport (13. Juli). Alle Infos und Termine finden sich online unter www.stadt-muenster.de/tourismus/startseite.html.

Umfangreiche Kooperation

Veranstalter der Ausstellung sind der SC Preußen Münster, Gegen Vergessen Für Demokratie Münsterland, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster, der Stadtsportbund Münster, das katholische Stadtdekanat Münster, der Evangelische Kirchenkreis Münster und das Friedensbüro bei Münster Marketing.Die Ausstellung findet statt in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Münster, dem Geschichtsort Villa ten Hompel, dem FANport Münster, dem Fanprojekt Preußen Münster, der Kirchengemeinde Liebfrauen-Überwasser, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, dem Verein Spuren Finden, dem Stadtarchiv Münster und dem Projekt „Sport, Sprache, Integration“ beim Amt für Schule und Weiterbildung der Stadt Münster.

Zitate zur Ausstellungseröffnung

„Zwischen Erfolg und Verfolgung. Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach“ am Freitag, 25. Juni, 15 Uhr:

Oberbürgermeister Markus Lewe: „Jüdisches Leben in Deutschland ist nicht nur ein Thema für das Museum. Jüdisches Leben ist nichts Fremdes, sondern war schon immer Teil unserer Gesellschaft, es gehört zu uns und das wollen wir sichtbar machen. Unter anderem mit dieser Ausstellung holen wir es sprichwörtlich in die Mitte unserer Stadt. Thema der Ausstellung ist der Sport. Sie zeigt, wie es auch hier zu Ausschluss, Diskriminierung und Verfolgung gekommen ist und immer noch kommt. Die Ausstellung zeigt aber auch, wie Sport Menschen aktiv und spielerisch zusammenbringen und somit verbinden kann.“

Sharon Fehr, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Münster: „Die Bedrohung jüdischer Menschen hat nach 1945 nicht aufgehört. 76 Jahre nach dem Zivilisationsbruch des Nationalsozialismus müssen jüdische Schulen und jüdische Trainingsstätten von Sicherheitsdiensten bewacht werden, finden jüdische Gottesdienste und Feiern unter Polizeischutz statt und sind Bedrohungen wieder alltäglich. Warum haben wir zugelassen, dass es so weit kommt?“

Christoph Strässer, Initiator der Ausstellungsumsetzung in Münster und Präsident des SC Preußen Münster: „Die Ausstellung beschreibt eindrucksvoll und bewegend die Geschichte junger Menschen, die aufgrund einer einzigen Tatsache in einem totalitären System verfolgt und letztendlich ihrer Menschenwürde beraubt wurden: sie waren Juden. Und es zeigt für uns, gerade auch in der aktuellen Debatte: Rassismus und Antisemitismus dürfen keinen Platz finden in unserer Gesellschaft; und schon gar nicht im Sport. Denn Sport soll verbinden – und nicht trennen.“

Dr. Henry Wahlig, Kurator der Ausstellung und Leiter Kultur- & Veranstaltungsprogramm DFB-Stiftung Deutsches Fußballmuseum gGmbH: „Ich freue mich sehr, dass die Wanderausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung“ in diesem Jahr in Münster – der Stadt in der ich aufgewachsen bin – zu sehen ist. Ich hoffe, dass viele Münsteranerinnen und Münsteraner die Gelegenheit nutzen werden, die Ausstellung zu besuchen, sich mit den Biographien dieser großartigen Sportlerinnen und Sportler zu beschäftigen und sich mit den Themen Antisemitismus und Rassismus in unserer Gesellschaft und im Sport auseinanderzusetzen.“

Quelle: Pressemitteilung der Stadt Münster (25. Juni 2021, 16:27 Uhr)

Wewerka-Pavillon ist ein Vulventempel

Zehn internationale Künstler*innen zeigen am Aasee Vulven

Die Nutzung des Wewerka-Pavillon am Aasee (Kardinal-von-Galen-Ring / Annette-Allee / Aasee-Uferweg) als Vulventempel sollte auch provozieren. Doch bis auf eine kleine Kokelei an der Aufhängung eines der zehn Vulvenbilder ist bislang nichts geschehen. „Wir hatten sogar mit Vandalismus gerechnet. Doch auch die schlimmsten Befürchtungen eines älteren Ehepaares, welches beim Aufbau die Bilder betrachtete, dass hier abends Männer vor unseren Werken mastrubieren, ist offensichtlich nicht eingetreten“, erzählte Annemarie Lange, eine der zehn Künsterler*innen, die gemeinsam den Wewerka-Pavillon in ein temporäres Heiligtum für die Gesamtheit der äußeren primären weiblichen Geschlechtsorgane verwandelt haben.

Am sonnigen Montagnachmittag spazieren viele Mütter mit ihren Kindern am Wewerka-Pavillon vorbei. Sie scheinen hier auch provokante Kunst zu erwarten, wie die Antwort einer Mutter zu beweisen scheint: „Wird doch Zeit, dass unsere Weiblichkeit auch in der Kunst öffentlich gezeigt wird. Mit Sex hat das für mich nur am Rande zu tun.“ Der 24-jährige Marvin, der gemeinsam mit Annemarie Lange den Nachmittag am Aasee verbringt, hat noch keine abschließende Meinung zum Projekt: „Es ist schwer in Worte zu fassen. Zudem überlege ich noch, welche politische Dimension der Vulventempel hat.“

Dazu kann selbst Annemarie Lange ihm keine kurze Antwort geben: „Wir wollen Sichtbarkeit erzeugen. Ob dies eine feministische Aktion ist, will ich gar nicht abschließend sagen, da das ich nicht für alle aus dem temporären Kollektiv sprechen möchte und kann. Ich selber halte es für dezidiert feministisch!“ Auch Nadja Rich, die gemeinsam mit Lisa Tschorn die Gruppenausstellung Vulventempel am Wewerka-Pavillon organisiert hat, versteht im Telefoninterview das Projekt explizit politisch: „Diese Arbeiten sind schon sehr feministisch.“

Bis zum 13. Juni ist der Wewerka-Pavillon ein Vulventempel.

Keine Beziehung zur Vulva? Geht das überhaupt?

Diese Frage, die von einer guten Freundin kam, stellen sich die Künstler*innen auf ihrer Webseite zum Projekt. Diese Beziehung der Personen mit Vulva zu ihrem primären Geschlechtsteil, das häufig schamvoll als Scham bezeichnet wird, möchten die Initiatoren des Vulventempels entproblematisieren. Deshalb ist das Heiligtum, der Innenraum des Wewerka-Pavillon auch leer. „Der sakrale Bezirk ist immer vom profanen Raum getrennt; der Tempel kann bestimmten Göttern vorbehalten oder in verschiedene Bereiche aufgeteilt sein“, steht in Wikipedia. Die Künstler*innen wollen offensichtlich am Aasee dies umkehren und lassen das Innerste leer und zeigen das Heiligtum draußen. So entsteht eine direkte Beziehung zwischen den Betrachter*innen und dem Werk, ohne dass die Hohepriester*innen eingreifen können oder müssen. Der profane und der heilige Raum vermischen sich und werden eins.

So verliert auch dieses intime Körperteil ihre Verletzlichkeit. „Diese Verletzlichkeit, wie sie Vulva tragende Menschen immer wieder erfahren, ist auch Teil unserer Ausstellung. Schließlich sind es alles Originale“, unterstreicht Lisa Tschon im Telefongespräch und Nadja Rich ergänzt: „Deshalb haben wir die Verletzung des Vulventempel auch einkalkuliert.“

Wir haben gern die Dreiecksform des Wewerka-Pavillions aufgenommen. Sie symbolisieren fast unser Thema. Zudem ist für Künstler*innen der Pavillion als Bauwerk für Kunst etwas Allerheiliges.

Nadja Rich

Für eine beteiligte Künstler*in ist die Bezeichnung Vulva auch die Aneignung des eigenen Körpers, wie sie auf Vulventempel.de im Blog unter „Selbst(be)-Zeichnung“ schreibt. „So sage ich gern zu meinem Geschlechtsorgan, das so mehr ist als Porno oder peinlich, unaussprechlich, niedlich oder ein Name für eine Katze. Für mich ist diese Ausstellung gleichzeitig radikal und auch ein Versuch die Vulva und ihren Anblick zu normalisieren. Jedes Kind erkennt einen auf den Schultisch hingekritzelten Penis aber eine Vulva?“

Kollektive Ausstellung

Die zehn Bilder können und sollen den einzelnen Künstler*innen nicht zugeordnet werden. „Die Gruppe und nicht die Künstler*innen stehen im Vordergrund. Wir wollen uns nicht verstecken, wie unsere Webseite demonstriert“, erklärten Lisa Tschorn und Nadja Rich gemeinsam: „Namen zu den Bildern würden den Fokus verändern!“

Kommende Termine:

Die Ausarbeitung der Ausstellung war den zehn Künstler*innen nur Dank der Unterstützung der Kunstakademie Münster sowie der Freund*innen der Kunstakademie Münster möglich. „Dafür sind wir sehr dankbar. Aber auch das Land Nordrhein-Westfalen hat mit den Coronahilfen für Künstler*innen das Projekt finanziell unterstützt“, erklärte Lisa Tschorn.