Millay Hyatt ist wieder in Münster

Frauen unterwegs. Perspektiven weiblicher Entschleunigung

2021 war die 1973 in Dallas/Texas (USA) geborene promovierte Philosophin Millay Hyatt auf Einladung des May-Ayim-Rings in Münster. Über „Weißsein als Privileg“ sprach sie bei ODAK. Am Montag (7. September 2027) um 19 Uhr ist die in Berlin lebende Autorin wieder in der Domstadt. Gemeinsam mit Anneke Lubkowitz ist Millay Hyatt im Auditorium des LWL-Museum für Kunst und Kultur (Domplatz 10, 48143 Münster) zum Podiumsgespräch „Frauen unterwegs. Perspektiven weiblicher Entschleunigung“ vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) eingeladen. Im Gespräch mit Dr. Daniel Müller Hofstede, Leiter des Kulturprogramms des Museums, werden beide ihre Entschleunigungskonzepte vorstellen und zu einer gemeinsamen Lehre über weibliches Reisen und Reiseerfahrungen vereinen.

Millay Hyatt war schon 2021 in Münster zu Gast. Am Montag ist erneut in der Stadt und im LWL-Museum am Domplatz zu hören.

Ende der männlichen Dominanz

Das Reisen und Erkunden der Natur war lange Zeit eine reine Männerdomäne. So blieb auch bis in die heutige Zeit die klassische Reiseerlebnis- und Betrachtungsschreibe klar männlich dominiert. Die weibliche Perspektive und das Erleben der Frauen spielte als historische und literarische „Wanderinnen“ höchst selten eine Rolle in der Literatur und deshalb auch in der Wirklichkeit. Dies obwohl seit langer Zeit das Reisen selbst keine männliche Angelegenheit ist.

„Mittlerweile ist ein Wandel eingetreten: Nicht nur, dass Literatur und Forschung mit weiblichem Blick soziale, politische und philosophische Aspekte zu einer feministischen Natur- und Reiseliteratur gebündelt haben – längst wurden auch etliche »literarische Wanderinnen« ausgemacht, die sich schon vor Jahrhunderten unkonventionell und unverfroren auf die Reise begeben haben“, schreibt der LWL in seiner Pressemitteilung.

Die Autorin Anneke Lubkowitz hat sich in „Rebellinnen zu Fuß“ an die Fersen von elf wandernden Schriftstellerinnen in Europa und den USA geheftet und dabei viel über weibliche Selbstbestimmung, Freiheit und die Vielfältigkeit von Naturerlebnissen erfahren. Millay Hyatt hat mit „Nachtzugtage“ ein Loblied auf das Zugfahren verfasst – von der Freude an Langstrecken bis zum Abteilfenster als Kinoleinwand.

Nachtzugtage

In Nachtzugtage, ihrem „erzählendem Sachbuch“ über ihre große Leidenschaft, schreibt Millay Hyatt über lange Nachtzugreisen und die Tage dazwischen. Der Reiz der „ungepolsterten Begegnung mit der Welt“ lässt Hyatt auf jedes Flugzeug zugunsten einer Reise auf der Schiene verzichten.

Hyatt weiß: In der Fremde unterwegs sieht mensch anders, das gelte besonders im Zug, in halber Geschwindigkeit: Das Zugfenster wird zur Verlockung, an ihm laufen bewegte Bilder, ganze Landschaftsfilme vorüber, schreibt ihr Verlag. Im Zugwaggon würden die Reisenden zu Voyeur:innen, die sich für die intimsten Angewohnheiten der Mitreisenden interessieren. Sie lauschen dem Streit fremder Paare, zeichnen Psychogramme unserer Sitznachbar:innen. Auf Schienen käme ein Denken in Gang, das „unsere Gewissheiten“ störe. Reisende gingen in eine Schule der Wahrnehmung, in der die eigene Perspektive ins Verhältnis zu anderen gesetzt werden muss. „Die Zugreise verspricht das Glück des Aufbrechens und des Ankommens – und dazwischen die bittersüße Freude der Selbstbefragung“, schreibt der Verlag. Anhand ungezählter eigener Reisen zeichnet Millay Hyatt eine literarische, anspielungsreiche Kartografie der Zugreise, in der die tausendfach beobachtete Dramaturgie des Abschiednehmens ebenso zu ihrem Recht kommt wie die Verwandlung der Heimkommenden – und zugleich die Einsicht, dass das Passieren von Grenzen nicht für alle eine lustvolle Erfahrung ist.

Für Nachtzugtage ist Millay Hyatt 2025 mit dem Ilse-Schwepke-Preis für Reiseliteratur ausgezeichnet worden.

Wie viele Tage muss ich gehen

Wie viele Tage muss ich gehen ist ein literarischer Reiseessay über Gastfreundschaft und Fremdsein, über Stadt und Land, Grenzen und Übergänge. Millay Hyatt verwebt persönliche Erfahrungen mit philosophischen Reflexionen, die Geschichte mit aktuellen Konflikten. So entsteht ein vielschichtiges Buch über die Freude, bei Fremden willkommen zu sein – und eine Einladung, sich vor der eigenen Haustür auf Abenteuerreise zu begeben.

Millay Hyatt begab sich auf eine Reise ins Ungewisse: Von Berlin zog sie zu Fuß los in Richtung Osten, um den Linien zwischen Hauptstadt und Provinz, zwischen Fremden und Freunden, zwischen Geschichte und Gegenwart nachzuspüren. Ohne Smartphone, aber mit Fontane im Rucksack, lässt sie sich von Tür zu Tür weiterempfehlen – von linken Hausprojekten über Stadtflucht-WGs bis zu pensionierten Bürgermeisterinnen und Zigarettenverkäufern auf dem Polenmarkt. Sie steht vor verschlossenen Hofläden und den offenen Armen ihrer Gastgeber, die selten mehr als einen Tag im Voraus feststehen, jeder Tag eine Improvisation und ein Experiment. Sie läuft durch sonnendurchflutete Wälder, verirrt sich in verlassenen Landschaften, wird von einem Forstarbeiter gerettet, übernachtet in mittelalterlichen Türmen und bestaunt die Brüche und Schönheiten der brandenburgischen und westpommerschen Provinz.

Podiumsgespräch „Frauen unterwegs. Perspektiven weiblicher Entschleunigung“
LWL-Museum für Kunst und Kultur (Domplatz 10, 48143 Münster)
Mit Millay Hyatt („Wie viele Tage muss ich gehen“ und „Nachtzugtage“) und Anneke Lubkowitz („Rebellinnen zu Fuß“)
Montag, 7. September 2026, 19 Uhr, Auditorium des LWL-Museum für Kunst und Kultur (Domplatz 10, 48143 Münster)
Eintritt 10 Euro, ermäßigt 5 Euro

Wo Energie lebendig wird

Stadtwerke Münster zeigen Ausstellung der Künstlerin Andrea Aupers

Wie fühlt sich Energie an? Dieser Frage widmet sich die Künstlerin und Autorin Andrea Aupers mit ihrer Ausstellung „Wo Energie lebendig wird“. Im Stadtwerke-Hauptgebäude zeigt sie 18 Werke in Acryl, Öl und Mixed Media. Die Bilder greifen das Zusammenspiel von Farbe, Form und Resonanz auf und laden Besucherinnen und Besucher dazu ein, Energie aus einer neuen Perspektive zu erleben.

Die Werke von Andrea Aupers sind bis zum 2. Oktober am Hafenplatz zu sehen.
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Tour durch Ruine

Taschenlampenführung durch den Zwinger

Am Donnerstag, 20. August, um 20 Uhr lädt das Stadtmuseum zu einer abendlichen Führung durch den Zwinger an der Promenade ein. Im Schein von Taschenlampen können Interessierte das fast 500 Jahre alte Gemäuer erkunden. Bei der Tour durch die Ruine wird die wechselvolle Geschichte des Zwingers vom ehemaligen Bollwerk zum Baudenkmal und Kunstwerk „beleuchtet“ und erfahrbar gemacht.

Bei einer Taschenlampenführung können Interessierte am 20. August mehr zur Geschichte des Zwingers erfahren. (Foto: Stadtmuseum Münster)
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Stadtmuseum Münster

„Stille Stunde“ im Stadtmuseum Münster

Morgen, Dienstag 18. August, bietet ab 16 Uhr das Stadtmuseum Münster seine monatliche „Stille Stunde“ an. Das Museum lädt dann insbesondere Menschen aus dem Autismus-Spektrum sowie Personen mit anderen Wahrnehmungsbeeinträchtigungen zu einem reizarmen Museumsbesuch ein.

Das Stadtmuseum Münster bietet während der „Stillen Stunde“ Hilfsmittel zur Geräuschunterdrückung und zur Kommunikation an. (Foto: Stadtmuseum Münster.)
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Tage der Nachhaltigkeit

Markt der Möglichkeiten diesmal im Rathausinnenhof

Vom 18. September bis 8. Oktober 2026 finden wieder die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit statt. Sie sind eine Initiative des Rates für Nachhaltige Entwicklung und Teil des Gemeinschaftswerk Nachhaltigkeit. Auch der Verein Münster nachhaltig hat in 2026 wieder ein umfangreiches Programm mit dem Markt der Möglichkeiten am 12. September im Rathausinnenhof als Höhepunkt. Er findet zwischen 10 Uhr und 16 Uhr statt.

Das Projektteam von Münster nachhaltig begrüßte Vertreter:innen folgender Vereine und Initiativen beim Vorbereitungstreffen für den Markt der Möglichkeiten: Amnesty International, Haus vom Guten Hirten, Alte Apotheke, Freiwilligenagentur, Slow Food, Südviertelhof, Ernährungsrat, Futro_MS, Biologische Station Rieselfelder, BUND Münster, Baumfreunde Münster, Initiative Entrup119 e. V. , Aktion Pestizidfreies Münster, Kulturquartier Münster, Insitut für Theologische Zoologie, Sharing App, Pro Bahn, Bündnis Straßenbahn, Welladen La Tienda und Altglashelden. (Foto: G. Bellinghausen)
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„Tarifverträge für alle“

Maidemonstration des DGB Münster

Von Werner Szybalski

„Deutlich mehr als 700 Kolleg:innen auf Demo und Versammlung des DGB Münster“, freute sich am 1. Mai der Mitorganisator Carsten Peters vom DGB Münster. Los ging es um 11 Uhr im Hafen. Von dort zog die offizielle Maidemo des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) durch das Hansaviertel und die Innenstadt zum Prinzipalmarkt. Weiter ging der Protestzug – unter anderem für stärkere Tarifbindung und ein landesweites Tariftreuegesetz – durch die Salzstraße, am Stadthaus I vorbei zur Stubengasse. Dort fand die Kundgebung statt, deren Hauptrednerin in diesem Jahr die GEW-Landesvorsitzende Ayla Çelik war. Sie eröffnete ihren Beitrag mit dem persönlichen Bekenntnis zur „starken und wehrhaften Demokratie“.

Ayla Çelik, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW sprach bei der DGB-Maikundgebung auf der Stubengasse. (Fotos: Werner Szybalski)

Unmut bei Dank an die Polizei

Ganz zu Beginn erinnerte Çelik an „die vielen Kolleginnen und Kollegen, die heute nicht dabei sein können, weil sie auch durch ihre heutige Arbeit das Land am 1. Mai am Laufen halten“ würden. Dabei erntete sie zunächst massive Buhrufe, da sie zuallererst der Polizei dankte, was beim linksradikalen Teil des Publikums ganz schlecht ankam. Auch ihr Versuch, diese Demonstrant:innen für die Erfolge der AfD in Deutschland verantwortlich zu machen, kam sehr schlecht an. Der Unmut unter den Zuhörer:innen breitete sich aus und ein ernsthafter Konflikt zwischen Teilen der Versammlung und der Hauptrednerin erschien am Horizont. Doch die hauptamtliche Gewerkschaftlerin erwies sich als Profi und entschärfte den Disput durch geschickten Themenwechsel.

Herausforderungen der Zeit

Die NRW-Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wandte sich nämlich den „Herausforderungen der Zeit“ zu: „Der Klimawandel ist noch nicht gestoppt. Die soziale Ungleichheit in Deutschland wächst weiter. Der Mindestlohn muss so hoch sein, dass Menschen davon leben können und auch eine ausreichende Rente gesichert werden kann. Dringend muss Deutschland den Investitionsstau überwinden.“

Der Öffentliche Dienst sei die Grundlage für das soziale Miteinander in der Gesellschaft, betonte Ayla Çelik. Die Gewerkschaften würden das Öffentliche verteidigen, so wie sie auch ihre politischen Errungenschaften verteidigen würden. Beispielhaft nannte Çelik dafür den Acht-Stunden-Tag.

Es war richtig voll auf der Stubengasse, nachdem der Demonstrationszug am Kundgebungsplatz angekommen war.

Tag zum Fordern

„Heute ist nicht nur ein Tag zum Feiern“, rief sie laut in die Menge: „Heute ist auch ein Tag zum Fordern!“ Dies gelte insbesondere für ein Tarifbindungsgesetz für Nordrhein-Westfalen. „Tarifverträge für alle“, sei das gemeinsame Ziel der DGB-Gewerkschaften im Land.

Ayla Çelik erinnerte schließlich daran, dass jährlich 50.000 junge Menschen die Schule ohne Abschluss verließen und dass 2,8 Millionen Menschen keinen Berufsabschluss besitzen würden. Dies allein fordere zum Handeln – auch die Kindergrundsicherung müsse her.

Die Musikerin Nadu musste das Publikum nach der langen Rede der GEW-Chefin zunächst wieder motivieren.

Motivationsrede statt Chapmann-Song

Die Musikerin „Nadu“ sollte nach der Hauptrednerin für gute Stimmung sorgen, doch der Künstlerin war es vor der Bühne zu leer. Sie hatte ihre Gitarre schon umgeschnallt und ein Lied von der amerikanischen Singer-Songwriterin Tracy Chapman angekündigt, als sie umschaltete und eine feurige Motivationsrede hielt. Etwas Musik gab es anschließend auch noch auf die Ohren, so dass auch die letzte Rednerin nicht vor einem leeren Platz sprach.

Kommunalwahlkampf hat begonnen

Die Kommunalwahl am 14. September in Münster war auch bei Demo und Kundgebung zu erkennen, denn fast alle bekannten Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters in Münster nahmen an der DGB-Veranstaltung teil. Dr. Georg Lunemann (CDU), Tilman Fuchs (Grüne), Stephan Brinktrine (SPD), Maren Berkenheide (Volt) und Roland Scholle (Die Partei) waren am 1. Mai dabei.

Vom Hafen ging es bei der diesjährigen Maidemonstration durch das Hansaviertel und die Innenstadt zum Prinzipalmarkt. Von dort erreichte der Protestzug über die Salzstraße, wo dieses Foto entstand, den Platz an der Stubengasse. Bei der dortigen Kundgebung war Ayla Çelik (kl. Bild), Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in NRW, Hauptrednerin.

Kampftag der Arbeiterklasse

Hinaus zum 1. Mai!

Am Donnerstag (1. Mai) zieht es viele mit Bollerwagen oder auf der Leeze hinaus in die Natur. Maigang ist angesagt. Traditionsbewusste Arbeitnehmer:innen hingegen versammeln sich in diesem Jahr vormittags um 11 Uhr im Hafen von Münster, um in diesem Jahr unter dem Motto „Mach dich stark mit uns!“ für eine gerechte Arbeitswelt, für Demokratie und Solidarität sowie gegen Rechts zu demonstrieren. In Deutschland begann es mit dem Kampftag der Arbeiterklasse im Jahr 1890.

Ein Jahrhundert nach der Französischen Revolution wurde am 14. Juli 1889 auf dem Gründungskongress der Zweiten Internationalen in Paris von sozialistischen Gewerkschaften und Parteien aus der ganzen Welt beschlossen, sich den Plänen des amerikanischen Arbeiterbundes für eine weltweite Demonstration am 1. Mai 1890 anzuschließen. Eine der Kernforderungen war, den Arbeitstag auf acht Stunden festzulegen. Am 1. Mai 1890 beteiligten sich in Deutschland etwa 100.000 Arbeiter:innen – in Berlin, Dresden und als gewerkschaftlichen Schwerpunkt festgelegt in Hamburg – an Streiks, Demonstrationen und den Maispaziergängen, bei denen Menschen, häufig verbunden mit dem Konsum von Alkohol, den Frühling begrüßen.– an Streiks, Demonstrationen und den Maispaziergängen, bei denen Menschen, häufig durchaus verbunden mit dem Konsum von Alkohol, den Frühling begrüßen.

DGB ruft zum 1.Mai auf: „Mach dich stark mit uns!“

„Wir erheben unsere Stimme für eine gerechte Arbeitswelt! – Für Demokratie und Solidarität – gegen Rechts!“ Mit diesen klaren Äußerungen ruft Pia Dilling, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Münster, zur Teilnahme an der Maidemonstration und -kundgebung am kommenden Donnerstag auf. „Noch nie war es so wichtig für die Rechte der Arbeitnehmer*innen auf die Straße zu gehen“, machte die DGB-Stadtverbandsvorsitzende in einer Pressemitteilung deutlich: „Gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne sind der Schlüssel, um ausreichend Fachkräfte zu gewinnen, die unsere Schulen mit Leben füllen, Kranke pflegen und versorgen, unsere Brücken sanieren und bauen sowie den klimagerechten Umbau des Landes voranbringen. Immer mehr Arbeitgeber stehlen sich aus der Verantwortung und sorgen nicht für faire Löhne. Wir fordern deshalb einen nationalen Aktionsplan zur Stärkung der Tarifbindung und ein Bundestariftreuegesetz. Damit wieder mehr Beschäftigte von starken Tarifverträgen profitieren und endlich mehr Lohn bekommen. Wir fordern außerdem einen armutsfesten Mindestlohn als untere Haltelinie.“

Pia Dilling und Carsten Peters vom DGB Münster rufen zur Teilnahme an der Maikundgebung in Münster auf. (Foto: DGB Münster)

Errungenschaften verteidigen!

DGB-Stadtverbandsvorstand Carsten Peters, Hauptamtlicher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Bezirk Münsterland sowie Kopf des Bündnisses „Keinen Meter den Nazis“, verdeutlichte: „Den Acht-Stunden-Tag, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, stabile Renten und einen starken Sozialstaat haben wir Gewerkschaften solidarisch erkämpft, und wir werden diese Errungenschaften verteidigen! Faire Arbeitszeiten, die zum Leben passen, sind für uns nicht verhandelbar. Wer krank ist, muss sich auskurieren können. Die Beschäftigten haben eine gute und sichere Rente verdient. Das Rentenniveau muss bei 48 Prozent stabilisiert und langfristig erhöht werden. Die Angriffe auf den Sozialstaat weisen wir zurück – das ständige Nach-unten-Treten gegen Bürgergeldbeziehende und Geflüchtete muss aufhören!“

Dilling ergänzte: „Wir stehen für ein gerechtes Steuersystem. Die Beschäftigten, die für ihr Geld arbeiten, dürfen nicht höher besteuert werden als diejenigen, die ihr Geld nur für sich arbeiten lassen. Nach Jahrzehnten wachsender Vermögen ist eine angemessene und gerechte Beteiligung von Spitzenverdienern überfällig. Es ist höchste Zeit, die Vermögensteuer wieder einzuführen und eine Erbschaftsteuer ohne Sonderregelungen für reiche Unternehmenserben auf den Weg zu bringen. Reiche und Superreiche müssen ihren fairen Beitrag leisten, um den Haushalt zukunftsfest zu gestalten und die Daseinsvorsorge zu sichern.“

Auch die DGB-Jugend ist traditionell am 1. Mai auf der Stbengasse dabei. (Foto: Archiv Werner Szybalski)

Kampftag für Demokratie und Solidarität

Carsten Peters erklärte zum Hintergrund des Maifeiertages: „Der traditionelle Tag der Gewerkschaften und Arbeitnehmer:innen ist auch ein Kampftag für Demokratie und Solidarität. Wir müssen in diesen Tagen die Demokratie stärken, die derzeit von Rechts angegriffen wird, unsere Aktionen richten sich gegen den zunehmen Rechtsruck in Deutschland und Europa – keinen Platz für Rassismus, Antisemitismus und soziale Ausgrenzung! Der 1.Mai ist auch der Tag der internationalen Solidarität.“

Vom Hafen durch das Hansaviertel in die Innenstadt

Auf dem Hafenplatz treffen sich in Münster um 11 Uhr die Maidemonstrant:innen, die dann gemeinsam durch das Hansaviertel und die Innenstadt zum Stubengassenplatz ziehen. „Kommt mit uns am Tag der Arbeit auf die Straße und macht euch stark für eine friedliche und gerechte Zukunft in Deutschland, Europa und der Welt! Gemeinsam können wir die Politik zum Handeln bringen und für Investitionen, Verteilungsgerechtigkeit, Tarifbindung, faire Arbeitszeiten, stabile Renten und eine starke Demokratie“, wirbt der DGB, der verdeutlicht: „Unsere Botschaft ist klar. Wir haben nicht nachgelassen – mit Erfolg. Deutschland muss den jahrelangen Investitionsstau überwinden. Die von den künftigen Regierungsparteien vereinbarten Milliarden müssen jetzt dahin fließen, wo sie dringend benötigt werden: in die Schienen, Bildung, den Wohnungsbau, die soziale Sicherung, die Digitalisierung und den Klimaschutz. Es kommt jetzt darauf an, unser Land und unsere Wirtschaft am Laufen zu halten und für die Zukunft aufzustellen. Aber auch klar ist, dass wir erwarten, dass der Staat, die Unternehmen und die Arbeitgeber ihrer Verantwortung gerecht werden. Mit den Geldern müssen moderne Standorte, zukunftsfähige Produkte und damit gute und sichere Arbeitsplätze für die Beschäftigten finanziert werden.“

Die lokalistische FAU Münster nimmt auch schon Mal an der DGB-Kundgebung teil. Mit Infomaterial ist die anarchistische Gewerkschaft aber sicherlich am Nachmittag in Berg Fidel am Start. (Foto: Archiv Werner Szybalski)

Maifeiern in der Innenstadt, am Coerdeplatz, am Aasee und – „revolutionär“ – am Berg Fidel

Um 12 Uhr beginnt auf der Stubengasse das DGB Familienfest, bei dem auch verschiedene Rednerinnen sprechen werden. Die GEW-Landesvorsitzende Ayla Celik ist in diesem Jahr Stargast des DGB auf der Bühne. Für die musikalische Kurzweil sorgt NaDuMusik.

Um 14 Uhr startet die SPD Münster ihre Mai-Feierlichkeiten zwischen Kreuz- und Martiniviertel an der Promenade. Im Sternbuschpark am Berg Fidel lädt zeitgleich die Stadtteil-Gewerkschaft Berg Fidel solidarisch zum „Revolutionären 1. Mai“ ein. Es gäbt Essen, Trinken, Musik, Redebeiträge und sicherlich auch Infostände. Eine Stunde später um 15 Uhr startet das traditionelle Soli-Fest von ODAK, das in diesem Jahr am Aasee bei dem Spielplatz an der Mecklenbecker Straße stattfindet.

Kurze Geschichte des 1. Mai
In Australien, im dortigen Bundesstaat Victoria, gingen am 1. Mai 1856 Arbeiter:innen auf die Straße. Sie demonstrierten für die Begrenzung des Arbeitstages auf acht Stunden. 30 Jahre später rief die nordamerikanische Arbeiterbewegung – ebenfalls zur Durchsetzung des Achtstundentags – zum Generalstreik am 1. Mai 1886 auf.. Der 1. Mai war aus zwei Gründen von den amerikanischen Gewerkschaften ausgewählt worden. Einerseits wegen dem australischen Vorbild und andererseits , weil der erste Tag im Mai traditionell auch der traditionelle „moving day“ war. Der Stichtag, zu dem Arbeitsverhältnisse beendet wurden, weshalb für viele Gekündigte ein Umzug oft in einem anderen Ort anstand, um neue Arbeit zu finden. Es kam am Maitag 1886, der Samstag war ein regulärer Arbeitstag, zu Massenstreiks und Demonstrationen in den Industrieregionen Nordamerikas an denen nach verschiedenen Schätzungen insgesamt zwischen 300.000 und 500.000 Menschen teilnahmen. Allein in Chicago gingen 90.000 Arbeiter:innen in den Ausstand. Am dritten Tag des mehrtägigen Streik fand die von acht Anarchisten organisiere berühmten Haymarket-Versammlung statt. Tage später. Sie begründete den ruf des 1. Mai als Arbeiterkampftag.
In Deutschland wurde erstmals 1890 der 1. Mai von Sozialdemokraten als Aktionstag begangen. 1919 war er einmalig schon ein Feiertag. Ab 1933 nutzten die Nazis den 1. Mai, um

Blutorgie zu Walzerklängen

René Haustein und bodytalk im Pumpenhaus

Nur wenige Minuten nachdem das Publikum im Pumpenhaus in Münster Platz genommen hat und die fünf Tänzer:innen auf der Bühne sich in strahlend weißen Kostümen in Zeitlupe über die riesig über die Reaktion des imaginären Publikums freut, fällt im Pumpenhaus schon der Vorhang. Ohne Moos nichts los? Geht das Geld für Kultur aus? Nach einer kurzen, dunklen Pause lugt plötzlich der angestrahlte Kopf von Renè Haustein, dem in Bottrop lebenden Performance-Künstler, ganz oben durch den Vorhang. Der Kopf spricht von „kopflos“ und „Blutarmut“ . . . und davon, dass „Das Pumpenhaus leergepumpt ist. Die anderen Theater auch.“ Bei durch lauten Kirchenglockensound geprägter Musik stellt Renè Haustein zum Boden schwebend lautstark fest: „Das Theater muss sich der Realität anpassen!“

Als der Vorhand wieder komplett geöffnet ist, sind alle auf der Bühne in Unterwäsche oder wallenden Kimonos gekleidet. Akrobatisch tänzerisch wirbeln sie durcheinander, während Haustein fast lethargisch in sein Mikrophon spricht. Die Tänzer:innen agieren immer grausamer und zunehmend gewalttätig, bis sie urplötzlich alle zusammenkommen und brüllen: „Wir schließen einen Vertrag.“

Doch dieses (Tanz-)Theater strebt danach, sich der Realität anzupassen, ind der Vertäge nicht mehr sind als Papier oder ein Handschlag. Plötzlich blinken Hieb- und Stichwaffen in den Händen. Luana Rossetti, Cato Sieben, Tirza Ben Zvi und Hedda Fleischer verschmelzen zu einer vielarmigen Person, die wirkt, wie die bedeutende hinduistische Göttin „Kali“, die Göttin des Todes, der Zerstörung und der Erneuerung.

René Haustein und die Tänzer:innen Luana Rossetti, Cato Sieben, Tirza Ben Zvi und Hedda Fleischer triggern bei der Premiere von „Blutkörper“ durch Blutregen und Gewaltszenen Teile des Punpenhaus-Publikums. Am Ende gab es aber überwiegend Standig Ovetions. (Fotos: Laurenz Jochheim)

Sphärische Klänge, getaktet durch wiederkehrenden Sound einschlagender Fliegerbomben, hämmern auf die Künstler:innen ein, die sich gegenseitig bekämpfen, sexuell nötigen und vergewaltigen, um schließlich über Renè Haustein herzufallen. In einer angedeuteten Gewalt- und Sexorgie, die einige Zuschauer:innen an ihre Belastungsgrenze brachte, werden – durch großformatige Bilder verdeutlicht – zunächst Haustein und dann auch einer Tänzerin Körperteile abgeschnitten und triumphal präsentiert. Schließlich ist auch das Blutorgan überhaupt, das Herz, herausgeschnitten.

Von nun an ist es nur noch ein kleiner Moment, bis das Blut das Geschehen auf der Bühne dominiert. Schließlich hatte René Haustein schon bei seiner Niederkunft auf die Bühne gedroht: „Da wo Geld fließt, fließt auch Blut.“Zunächst abgezapft aus dem linken Arm von René Haustein und durch einen langen medizinischen Schlauch auch durch die erste Reihe des Publikums geflossen, stürzen schon kurz danach mehrere Blutregen auf die Künstler:innen hinab. Sie suhlen sich im Blut, eine von einer Tänzerin getragene Schweinsmaske erleichtert die sanften Gemüter im Saal, denn das Symbol reicht; das Schlachten eines echten Schweins kann ausbleiben. Wenn Cato Sieben als Schmetterling von den Toten aufersteht, geht auch das Blutbad – musikalisch mit Wiener Walzer unterlegt – langsam zu Ende.

Obwohl eine alte Theaterregel besagt, dass „Tiere und Kinder haben nichts auf der Bühne verloren“ haben, wird zum Finale ein lebender Schmetterling, der sich allerdings offensichtlich an keine Regieanweisung hält, auf die Bühne gebracht. Eine klare Boschaft hin zu notwendiger Veränderung, zu möglicher Transformation, erhoffter Wiedergeburt, vollendeter Schönheit und dem Wandel, der auf der Bühne beginnen kann und die Realität verändert. Das Publikum feierte die Premiere und die Künstler:innen René Haustein sowie den Tänzer:innen Luana Rossetti, Cato Sieben, Tirza Ben Zvi und Hedda Fleischer mit stehenden Ovationen.

Werner Szybalski

„Blutkörper“, ein rund einstündiges Tanztheater-Stück von und mit René Haustein sowie den Tänzer:innen Luana Rossetti, Cato Sieben, Tirza Ben Zvi und Hedda Fleischer. Regie beim in Koproduktion mit bodytalk und dem Theater im Pumpenhaus, sowie freundlicher Unterstützung von Theater Titanick, auf die Bühne gebrachten Stück führt Hannah Schrief. Die Licht- und sonstige technische Leitung hat Timo von der Horst. Für die Kostüme ist Kamila Wdowska verantwortlich.
Weitere Aufführungen im Pumpenhaus am Samstag (26. April 2025) um 20 Uhr und Sonntag (27. April 2025) um 18 Uhr.

Nach dem Abgang der Künstler:innen gleicht die Bühne einem verlassenen Schlachtfeld. (Foto: Werner Szybalski)

SPD will eine sozial gerechte Stadt

Themenkonferenz „Soziale Stadt“ im Wuddi des Bürgerhauses Kinderhaus

Am kommenden Mittwoch, dem 30. April 2025, will die SPD Münster im Johanniter Gästehaus ihr Kommunalwahlprogramm verabschieden. Eine Woche zuvor hatte die Partei Genossinnen und Genossen und Vertreter:innen von sozialen Einrichtungen in Münster zur Themenkonferenz „Soziale Stadt“ nach Kinderhaus eingeladen. In den knapp zwei Stunden wurde im Wuddi viel diskutiert, um herauszubekommen, wie die SPD in den kommenden Jahren Münster zu einer „sozial gerechten Stadt“ machen kann. Nach der Begrüßung durch den Oberbürgermeisterkandidaten Stephan Brinktrine stellte dieser drei Expert:innen (Dr. Christina Rentzsch, Sozialdezernentin Braunschweig; Markus Wallmeier, AWO Münster; Liam Kajin Demmke, DGB Münster) einführende Fragen, ehe in zwei Workshops intensiv gearbeitet wurde.

Dr. Christina Rentzsch. (Fotos: Werner Szybalski)

„Die besten Ideen entstehen im Dialog“, unterstrich Stephan Brinktrine, der die knapp 40 Gäste bat, sich intensiv in die Diskussion einzubringen. Dr. Christina Rentzsch, seit 2023 Sozialdezernentin in Braunschweig und früher Vorsitzende der SPD Münster-Mitte, unterstrich in ihrem Eingangsstatement die Bedeutung der „sozialen Funktionen, die der Wirtschaft, der Gesellschaft und der Stadt“ helfen würden. Markus Wallmeier betonte, dass es in der sozialen Arbeit „die Ansprache vor Ort“ extrem wichtig sei, und Liam Demmke erklärte, dass insbesondere bei jungen Menschen die „Demokratie und Mitbestimmung“ eine zentrale Rolle einnehme.

Die drei Grundprinzipien der SPD-Sozialpolitik

Die SPD-Sozialpolitik in Münster sei an drei Grundprinzipien orientiert:

  • Prävention von Benachteiligungen: „Wir wollen durch einen vorbeugenden Ansatz Benachteiligungen gar nicht erst entstehen lassen. Das umfasst unter anderem die Förderung von frühkindlicher Bildung und die Stärkung sozialer Netzwerke in den Stadtteilen.“
  • Gleichberechtigte Teilhabe: „Wir wollen allen Menschen in Münster eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Dabei setzen wir auf ein breites Spektrum an Teilhabeangeboten, von Bildung und Kultur über Mobilität bis hin zu Freizeitaktivitäten.“
  • Ausgleich von Benachteiligungen: „Wir wollen vorhandene Benachteiligungen ausgleichen und es so allen ermöglichen, individuelle Lebenschancen zu verwirklichen. Dazu gehören gezielte Förderprogramme für benachteiligte Gruppen sowie der Ausbau von Angeboten im Bereich Bildung und Arbeit.“

Münster – Stadt der „Studies und Alten“

Im Workshop „Soziales und Wohnen“ wurde unter anderem über die zukünftig bessere Nutzung des vorhanden Wohnraums diskutiert. Dabei spielte auch der teilweise schlechte Zustand der Wohnungen (Stichwort: marode Hochhäuser in Coerde) eine Rolle. Festgestellt wurde, das Münster eine inzwischen eine Stadt der „Studies und Alten“ sei, was die Situation der Auszubildenden und der Fachkräfte in den Mittelpunkt der Diskussion brachte. „Den Wohnraum in der Stadt zu vermehren, ist ein Schlüssel zur Lösung des Fachkräftemangels“, warf ein Teilnehmer ein.

Aber auch, so wurde bemängelt, fehle Wohnraum für die „arbeitende Mitte“. Dies zeuge, trotz SoBoMü und KonvOY, von erheblichen Verbesserungsbedarf bei der Wohnraumpolitik in der Stadt. Als ein Lösungsvorschläge wurden die Wohnungsgenossenschaften, es gibt in Münster zwei, und auch genossenschaftliches Wohnen (Beispiel: Grüner Weiler in Gievenbeck) ins Gespräch gebracht.

Ein besonders Problem in der Stadt und insbesondere in einigen Quartieren Münsters sei die Pflegesituation. Auch diese sei durch die Wohnraumsituation erschwert. Neben Nachbarschaftshilfe könne auch die Sozialarbeit in den Stadtteilen da für Entlastung sorgen.

Liam Demmke vom Deutschen Gewerkschaftsbund in Münster betonte die Wichtigkeit der gerechten Bezahlung im Berufsleben.

Mit der Wirtschaft im Dialog

Kleiner war die Gruppe, die sich im Workshop „Wirtschaft, Arbeit und Verkehr“ austauschte. Stephan Brinktrine berichtete zum Einstieg: „Ich habe Gespräche mit der Wirtschaft geführt. Dabei konnte ich den Eindruck gewinnen, dass die es inzwischen bezüglich der Ausbildungssituation in Münster begriffen hat.“ SPD-Ratsherr Thomas Kollmann warf ein, dass die SPD auch „im Unterschied zu den Grünen“ klar bekenne: „Wir wollen weitere Wirtschaftsstandorte in der Stadt realisieren.“

Neben der Bedeutung des Sozialen Arbeitsmarktes – insbesondere in prekären Stadtvierteln – wurde länger über die Verkehrssituation gesprochen. dabei stand unter anderem die Verkehrssicherheit für Radfahrer:innen im Zentrum. Aber auch die Situation des Öffentlichen Verkehrs (unter anderem schlechte Verbindungen zwischen Außenstadtteilen wegen zentrumszentrierte Ausrichtung der Buslinien) wurde kritisch beleuchtet. Dies alles mache dem Arbeitsmarkt zu schaffen, wie der SPD-Unterbezirksvorsitzende Fabian Fuchs erklärte: „Fachkräfte können es sich nicht leisten in Münster zu wohnen.“

Chancengleichheit und soziale Teilhabe

Der SPD Münster, so ihre Selbstbeschreibung, setzt sich in Münster für den Erhalt und den Ausbau von Chancengleichheit und sozialer Teilhabe ein. Dabei ist der Partei der sozialer Zusammenhalt in den Nachbarschaften wichtig. Das Miteinander im Quartier möchte die SPD durch Quartierstreffpunkte, und zwar dort, wo die Menschen wohnen, fördern. So soll das Gemeinschaftsgefühl gestärkt und der Vereinsamung vorgebeugt werden. Dazu muss es Teilhabemöglichkeiten im Quartier, also Essenstreffs, Beratung und Bildung, geben. So wollen die Sozialdemokraten auch der Vereinsamung und der Altersarmut entgegenwirken. Für sie gehören wohnortnahe Freizeitmöglichkeiten und Sportangebote zwingend dazu, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken und zugleich natürlich auch Gesundheitsförderung zu fördern.

Benachteiligungen abbauen

Obdachlosen Menschen wollen die SPDler:innen ein menschenwürdiges Wohnen ermöglichen, auch wenn diese auf dem Wohnungsmarkt keine eigene Unterkunft finden können. „Hierbei setzen wir auch auf modulare Wohnformen und soziale Wohnprojekte, die schnell und unkompliziert Lösungen bieten“, verdeutlicht die SPD auf ihrer Webseite zur Veranstaltung.

Den Soziale Arbeitsmarkt in Münster, der benachteiligten Menschen über Arbeitsgelegenheit (AGH) und 16i-Maßnahmen gemäß Sozialgesetzbuch II den Weg zum ersten Arbeitsmarkt eröffnen soll, wollen die Sozialdemokraten ebenso wie Programme zur Weiterbildung und Qualifizierung, die speziell auf die Bedürfnisse der betroffenen Gruppen abgestimmt sein müssten, weiter fördern. Zudem sollen Pflege- und Gesundheitsberufe attraktiver gemacht werden. Auch müsse für diese Kräfte bezahlbarer Wohnraum in der Stadt vorgehalten werden.

Als Expert:innen zur Themenkonferenz „Soziale Stadt“ der SPD Münster waren Markus Wallmeier (l.) von der AWO Münster, Dr. Christina Rentzsch, die Sozialdezernentin der Stadt Braunschweig, und Liam Kajin Demmke (r.) vom DGB Münster geladen. Oberbürgermeisterkandidat Stephan Brinktrine stellte ihnen einleitende Fragen.

Stadt- und Mobilitätsplanung für alle

Bei der Stadtplanung ist es der SPD wichtig, dass alle Stadtteile gut erschlossen werden und auch barrierefrei sind: „Wir setzen uns für einen öffentlichen Nahverkehr ein, der alle Stadtteile miteinander verbindet und auch für Menschen mit Behinderungen zugänglich ist. Da Mobilität ein wichtiger Aspekt der Teilhabe ist, haben wir das Münsterticket eingeführt. Mit diesem Ticket können alle Menschen in Münster für umgerechnet einen Euro am Tag im gesamten Stadtbereich Bus und Bahn unbegrenzt nutzen.“ Keine Erwähnung fand die Einschränkung bezüglich des Deutschlandtickets sozial in Münster, das wegen dem genannten Münsterticket in der Domstadt den grundsätzlich Antragsberechtigten nicht angeboten wird. Diese Öffi-Nutzer:innen können weder die Nachbarkreise noch den Rest des Bundesgebietes mit ihrem „Sozialticket“ im Nahverkehr mit Bus und Bahn bereisen.

(v.l.) Pia Dilling, Vorsitzende des DGB Münster und Ratskandidatin der SPD, SPD-Ratsherr Thomas Kollmann aus Kinderhaus, Münsters Bürgermeisterin Maria Winkel, Markus Wallmeier von der Arbeitswohlfahrt Münster, Braunschweigs Sozialdezernentin Dr. Christina Rentzsch, SPD-OB-Kandidat Stephan Brinktrine und DGBler Liam Demmke beim Abschlussbild der SPD-Themenkonferenz „Soziale Stadt“ im Wuddi des Bürgerhauses Kinderhaus.

Es gäbe auch in Münster viele Menschen, denen es nicht gut geht. Davon ist die SPD überzeugt, weshalb sie gerade auch für diese Menschen da sein wollen: „Gemeinsam können wir eine Stadt gestalten, die sozial gerecht, lebenswert und für alle zugänglich ist.“

Rumphorst, Hafen und Wolbecker Straße

Historische Luftbilder als Ausgangspunkt für Recherchen zur Stadtgeschichte: Hier der Hafen mit Herz-Jesu-Kirche im Hintergrund um 1930. Quelle: Stadtarchiv Münster, Postkarten Nr. 2966.

Themenabend zur Erforschung der Geschichte des eigenen Stadtteils

Drei Experten in Sachen lokaler Geschichte sind am Donnerstag, 24. April, ab 18 Uhr im Stadtarchiv bei Dr. Philipp Erdmann, stellvertretender Leiter des Stadtarchivs, zu Gast. Praktische Fragen der Arbeit mit historischen Quellen zur Stadtteilgeschichte steht im Mittelpunkt des Themenabends. Thomas Kaling (Rumphorst), Werner R. Cramer (Hafen) und Franz Peters (Wolbecker Straße) berichten von ihren Recherchen und Ergebnissen.

Thomas Kaling ist Kartograf und arbeitet an einem Stadtteilatlas für Rumphorst. Die Ergebnisse seiner Archivrecherchen präsentiert er in Viertelrundgängen und Vorträgen für den Stadtteilverein Rumphorstviertel. An jedem ersten Mittwoch im Monat lädt Kaling von 17.30 bis 19.30 Uhr in den Stadtteiltreff Rumphorst (Hoher Heckenweg 81, 48147 Münster) ein. Auf der wechselnden Agenda stehen immer Themen aus dem Stadtteil. Jüngst war der Eisenbahnliebhaber Michael Stach zu Gast, der über „Die Entwicklung der Eisenbahn incl. der Bau der Brückenüberführungen“ in Rumphorst sprach.

Recherche am Kai in Münster

Im vergangenen Jahr wurde Münsters Stadthafen 125 Jahre alt. Als Werner Rudolf Cramer am Ende des vergangenen Jahrhunderts ein Atelier am Kreativkai bezog, der gerade seinen 100 Geburtstag feierte, entwickelte sich Cramers lokalhistorisches Interesse am Stadthafen von Münster. Er forschte jahrelang zur Geschichte des Hafens. So konnte er rekonstruieren, welches Schiff als erstes in Münster einfuhr (die „Zuidersee“ aus Holland mit Holz aus Königsberg an Bord) oder auch, welche Waren in den inzwischen über 125 Jahren in Münster umgeschlagen wurden. Auch kann Werner Rudolf Cramer erläutern, warum es bis vor wenigen Zollgrenzen mitten in der Domstadt gab.

Stadthafen von Münster, abgebildet auf einer Postkarte von 1910.

Geschichte einer Straße

Wie sich die Geschichte einer Straße erzählen lässt, zeigt Franz Peters, der das Buch zur Geschichte der Wolbecker Straße verfasst hat. Den rasanten Wandel der zentralen Verkehrsachse in Münsters Südosten nach dem Kriegsende und bis 1970 hat Peters als langjähriger Anwohner in Teilen selbst miterlebt. Sein Buch lebt vor allem von zahlreichen historischen Fotografien, Zeitungsartikeln und Akten aus dem Stadtarchiv.

Beim kommenden Themenabend im Stadtarchiv Münster (An den Speichern 8, 48157 Münster) geht es um die Recherche zur Geschichte des eigenen Wohnorts, Stadtviertels oder auch der eigenen Straße. Interessierte, die nach historischen Unterlagen zur lokalen Geschichte ihrer Heimat oder ihres früheren oder aktuellen Wohnortes suchen, werden grundsätzlich in Archiven fündig. Oft, wie auch die drei Gäste, sind es engagierte Einzelpersonen, die diesen kleinräumigen Entwicklungen auf Grundlage von Fotos, Akten oder alten Stadtplänen nachgehen.

Deshalb ist bei diesem Themenabend reichlich Zeit für Fragen aus dem Publikum eingeplant. Möglichst sollen auch Recherchewege für eigene Geschichtsprojekte vorgestellt werden.

Anmeldung erforderlich

Die Teilnahme am Themenabend ist nur nach vorheriger Anmeldung per Telefon (02 51 / 4 92 47 01) oder E-Mailmöglich. Interessierte können sich per E-Mail anoder telefonisch unter Tel. anmelden. Die Veranstaltung wird auch live im Internet übertragen.