Frauenstraße 24 wurde 1983 gerettet

Acht lange Jahre kämpfen

Nach acht „heißen Jahren“, voll des Kampfes, wurde vor 40 Jahren das Haus Frauenstraße 24 vor dem Abriss gerettet. Es bietet seitdem dauerhaft Studierenden kostengünstigen Wohnraum. Derzeit leben 21 Menschen in Wohngemeinschaften in den oberen Etagen des Hauses, dass vor 50 Jahren zunächst besetzt werden musste, damit in Münsters Stadtgesellschaft die damals (und heute immer noch) herrschende Wohnungsnot als Problem begriffen und angepackt wurde.

Wohnraummangel für Studierende

Damals, wie heute, blühte die Immobilienspekulation. „Wir wollten aber nicht Revoluzzer spielen, sondern das Problem Wohnraummangel für Studierende bekämpfen und natürlich das Haus in der Frauenstraße erhalten“, erinnert sich Bernd Uppena, der selbst jahrelang in dem als „F24“ bekannten Haus wohnte und damals „mehr Zeit in die F24 als in mein Studium gesteckt“ hatte. Nun es hat sich gelohnt. Auch die Westfälischen Nachrichten nannten kürzlich „das blau-weiße Haus, Baujahr 1905, ein Monument für Hartnäckigkeit im Kampf für die Erhaltung von kostengünstigem Wohnraum.“

Bernd Uppena, ehemaliger Haussprecher der Frauenstraße 24, koordiniert die Feierlichkeiten. (Foto: Werner Szybalski)

Landesminister zerschlägt den Knoten

Mit Unterstützung der katholischen Kirche, vieler Münsteraner*innen, darunter natürlich die insgesamt deutlich über Hundert in den Anfangsjahren dauerhaft in der F24 wohnenden Besetzer*innen, und zunehmend auch von Teilen der damaligen Ratsparteien, gelang es die F24 zu Politikum zu machen. Schließlich half das Land in Person von Christoph Zöpel. Er war damals Minister für Landes- und Stadtentwicklung (später auch Wohnen und Verkehr) des Landes Nordrhein-Westfalen: Die gemeinnützige WGM (Wohnungsgesellschaft Münsterland) kaufte das Haus und der AStA der WWU vermietet seitdem 21 Zimmer auf drei Etagen an Studierende. Zudem ist auch der sozio-kulturele Treffpunkt im Erdgeschoss als Ort für Veranstaltungen des damals gegründeten Kulturvereins sowie öffentliche Kneipe erhalten geblieben.

„Wie damals wollen wir auch heute mit unseren Aktivitäten in die Stadtgemeinschaft hineinwirken“

Bernd Uppena

Dies alles wird im Oktober gefeiert. „Wie damals wollen wir auch heute mit unseren Aktivitäten in die Stadtgemeinschaft hineinwirken“, verdeutlicht Bernd Uppena, dass das Programm zwar kulturelle Highlights (zum Beispiel die inzwischen zum zweiten Mal verschobene Lichtinstallation) enthält, aber auch Diskussionsveranstaltungen und sogar Demonstrationen umfasst. Unterstützt werden die ehemaligen hausbesetzer dabei vom AStA der WWU, dem Bündnis „Münster gehört uns allen“ (Msgua), dem Kulturverein F24, Platanenpower, dem Mieter/innen-Schutzverein, dem DGB und der LEG-Mieter*innen-Initiative Münster.


Am Donnerstag, dem 7. Oktober, wird um 19 Uhr in der Trafostation (Schlaunstr. 15) ein Parteienhearing zur Wohnungspolitik in Münster stattfinden. Zuvor iste sogar Christoph Zöpel zu Besuch in der Frauenstraße.

Am Tag darauf (Freitag, 8. Oktober) geht es um 15 Uhr auf die Straße, beziehungsweise präziser gesagt, wie vor 40 Jahren auf den Prinzipalmarkt. Mit Zelten wird auf die noch immer vorhandene Wohnraummisere in der Stadt aufmerksam gemacht. Wie diese bekämpft werden könnte, erfahren Besucher*innen am Sonntag beim Tag der offenen Tür der F24.

Solidarität mit den bedrohten Afghan*innen

Spontandemonstration mit 150 Teilnehmer*innen vor dem Rathaus in Münster

Während sich in Kabul, der Hauptstadt Afghanistans, schreckliche Szenen insbesondere am Flughafen abspielen, wo unzählige Einheimische aus Furcht vor den Taliban das Land verlassen wollen, versammelten sich am späten Montagnachmittag rund 150 Münsteraner*innen vor dem Rathaus auf dem Prinzipalmarkt. Sie zeigten sich mit den von der zu erwartenden Taliban-Herrschaft bedrohten Menschen solidarisch und verurteilten die zögerliche Politik des Westens.

Besonders hart wird es Frauen, LGBTQIA+-, Künstler*innen, Journalist*innen, Aktivist*innen treffen. Sie haben unsere ganze Solidrität!

Seebrücke Münster

„Unser Herz zerreißt bei dem Gedanken, was auf die Menschen in Afghanistan zukommen wird. Besonders hart wird es Frauen, LGBTQIA+-, Künstlerinnen, Journalistinnen, Aktivist*innen treffen. Sie haben unsere ganze Solidrität!“ Vertreter*innen mehrerer lokaler Organisationen, darunter die Seebrücke, Eklat, Verein für politische Flüchtlinge, Iraner*innen in Münster und Kurd*innen kamen zusammen, um gegen die Taliban und auch die westlichen Regierungen zu demonstrieren.

„Sicher ist“, so ein Redner, dass „die Taliban […] einen theokratischen-islamistischen Unstaat an[streben]. Offen bleibt, ob eher nach dem Modell des IS oder des iranischen Regimes. Es sind die Taliban, die im Stadion Kabuls massenweise vor vollen Rängen Menschen hinrichten und foltern ließen und Menschen vor laufender Kamera köpften. Es sind die Taliban, die tausende Frauen als Sklav*innen verkauften und ihren Vergewaltigern überließen, die Frauen aus dem öffentlichen Leben und Bildung ausschlossen und zur Vollverschleierung verpflichteten.“

Bekämpfung des Islamismus nie ganz ernst gemeint

Entgegen der wohl vorherrschenden linken Meinung, so ein Redner, müssten die „islamischen Kräfte mit den bewaffneten Mitteln liberaler Demokratien bekämpft werden. […] Die militärische Präsenz in Afghanistan hat sehr wohl bisher die sich nun ereignende Katastrophe zumindest aufgehalten.“ Wie im Kampf gegen den Faschismus würden die bürgerlichen Demokratien es auch mit dem Kampf gegen Islamismus nie ganz ernst meinen. „Der Kampf gegen Islamismus scheint so lange ein Anliegen zu sein, bis er unmittelbar auf die Eindämmung der Folgen für das eigene Land abzielt: Darum, das Islamismus als erstes die Menschen vor Ort unterdrückt und mordet, geht es meist nur sehr nebensächlich; in Afghanistan waren die Kräfte des Krieges gegen den Terror oft genug bereit, mit Jihadisten zu kooperieren“, hieß es auf der Demonstration.

Olaf Götze sang ein persisches Lied. (Fotos: Werner Szybalski)

Anarchistische Gruppen wie die Federation of Anarchism Era hätten Recht, wenn sie erklärten: „Der Staat wird nicht der Retter des Volkes sein. Die Menschen haben zu den Waffen gegriffen, um sich gegen die Taliban und die alptraumhafte Zukunft eines fundamentalistischenStaates zu wehren.“ Die Vereinigten Staaten hätten im Rahmen ihrer Doktrin der „Aufstandsbekämpfung“ alle autonomen Gruppen unterdrückt. So habe sich keine Gegenmacht von unten aufbauen können, die zumindest die Möglichkeit des Selbstschutzes und der Selbstbestimmung der Menschen ermöglichen könne.

Auch das Handeln beziehungsweise die Unterlassungen der deutschen Regierung wurden kritisiert. Vor wenigen Tagen wollte der Innenminister Seehofer noch Flüchtlinge nach Afghanistan abschieben. Nun warnt NRW-Ministerpräsident Armin Laschet vor neuen Flüchtlingsströmen, die Deutschland nicht aufnehmen dürfe. Die Demonstrant*innen in Münster hatten eine völlig andere Auffassung als der Bundeskanzlerkandidat der Unionsparteien. Sie zeigten sich mit allen Geflüchteten solidarisch.

Zum Abschluss der Demonstration trug ein Kurde ein selbtverfasstes Lied mit dem Titel „Freiheit“ vor.

Rund 150 Münsteraner*innen kamen zur spontanen Solidaritätskundgebung mit den bedrohten Menschen in Afghanistan.