„Verbot“ der Wohnungsvergesellschaftung

Empörung beim Wohnungsrat Münster

Münster. Auf Initiative der NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach und ihres bayrischen Kollegen Christian Bernreiter hat am 11. Juni diesen Jahres die Sonder-Bauministerkonferenz beschlossen, der Vergesellschaftung von Wohnungsbeständen „strikte Grenzen zu setzen“. Vor wenigen Tagen (2. Juli) ist die Bundesregierung diesem Vorstoß gefolgt und hat beschlossen, ein Gesetz zu erarbeiten, das die Vergesellschaftung von Wohnraum durch die Bundesländer verbieten soll.

Sigrid Bürger, Joachim Hetscher (M.) und Werner Szybalski gehören zum Initiativkreis „Wohnungsrat Münster“. (Foto: privat / Wolfgang Bensberg)

Angriff auf den demokratischen Willen

„Wir sind empört. Dieser Angriff auf den demokratischen Willen der Menschen in Berlin und die Mieter:innen – auch in Münster – muss abgewehrt werden“, erklärte Joachim Hetscher vom Kulturverein Frauenstraße 24, der aktuell mit Vertreter:innen verschiedenster lokaler Gruppen die Gründung des Wohnungsrates Münster vorantreibt. Hetscher betonte: „Die Vergesellschaftung von Kapitalunternehmen mit mehr als 3000 Wohnungen im Bestand ist in Berlin per erfolgreichem Volksentscheid – initiiert von „Deutsche Wohnen und Co enteignen“ – 2021 von fast 60 Prozent der Berlinerinnen und Berliner beschlossen worden. Auch wir in Nordrhein-Westfalen warten auf das Berliner Gesetz, um Vergleichbares in Düsseldorf umzusetzen.“

Martin Luy vom Wohnprojekt Drubbel unterstützte Hetscher in der Einschätzung der Rechtswidrigkeit der geplanten Gesetzesinitiative der Bundesregierung: „Dies ist klar verfassungswidrig. Sowohl gegenüber dem § 15 des Grundgesetzes als auch gegenüber der Berliner Landesverfassung.“

Werner Szybalski von der LEG-Mieter:innen-Initiative Münster, Erstunterzeichner des breiten Widerstands „Wohnraumvergesellschaftung bundesweit umsetzen“, verdeutlichte: „In Münster ist besonders stark die LEG vertreten. Sie besitzt über 6000 Wohnungen in der Stadt. Aber auch der größte deutsche Wohnungskonzern, Vonovia aus Bochum, ist sehr präsent in der Domstadt, die sich offiziell sehr offen für Immobilieninvestitionen durch Kapitalunternehmen zeigt. Dies führt mit zu den hohen und weiterhin stark steigenden Mieten in Münster. Die Vergesellschaftung ist ein demokratischer Hebel zur Begrenzung der Macht dieser Konzerne.“

„Blankoscheck für Mieterhöhungen“

Während Joachim Hetscher in dem Gesetz einen „Blankoscheck für Mieterhöhungen“ sieht, befürchtet Szybalski insbesondere einen Verlust an Wohnkomfort: „Die LEG, aber auch andere börsennotierte Vermieter, schütten sehr hohe Dividenden aus. Dies ist nur möglich, weil zur Zeit auf Modernisierungen und insbesondere Instandsetzungen verzichtet wird. Das Problem der ständigen Mieterhöhungen würde sicherlich verschärft werden, ist aber auch heute schon auf zweifelhafte Maßnahmen der Vermieter gestützt.“ So würden bei der LEG Immobilien SE angebliche Wohnwertvorteile außerhalb des offiziellen Mietspiegels der Stadt mit drei Prozent auf die Miete aufgeschlagen. Auch würde immer wieder versucht, statt den Mietspiegel als Grundlage zu nehmen einfach eigene super teure Vergleichswohnungen in Münster als Mietpreistreiber zu verwenden.

Wohnen ist ein Menschenrecht

„Wohnen ist ein Menschenrecht. Der Umgang mit diesem Menschenrecht wird heute auch in Münster überwiegend dem Kapitalmarkt überlassen. So steht nicht die Versorgung der Bevölkerung mit Wohnraum sondern die Gewinnerzielung im Vordergrund“, analysiert Sigrid Bürger vom Wohnprojekt „Grüner Weiler“ in Gievenbeck die Situation in der westfälischen Metropole. Dagegen wollen die Stadtteilorganisationen, Mietervereinigungen und Wohnprojekte im Wohnungsrat Münster gemeinsam streiten: „Statt noch mehr Macht für Immobilienkonzerne brauchen wir mehr gesellschaftliche Kontrolle, damit alle Menschen eine sichere und bezahlbare Wohnung haben.“

Die offene Gruppe „Wohnungsrat Münster i.Gr.“ trifft sich an jedem ersten Sonntag um 11 Uhr in der Frauenstraße 24. Für Samstag, den 17. Oktober 2026, plant der Wohnungsrat im Südviertelhof einen wohnungspolitischen Ratschlag für Münster. Kontakt: Kulturverein Frauenstraße24, Email: f24@f24-kultur.de.

Lieder zum 1. Mai: „Brot und Rosen“

Arbeiterlieder für eine bessere Welt

Schon zum vierten Mal findet am Vorabend des „Tages der Arbeit“, also am 30. April 2025, in Münster das Konzert „Brot und Rosen – Lieder für eine bessere Welt“. Gemeinsam veranstaltet vom KulturVerein Frauenstraße 24 und dem DGB Münster gestalten das Duo Contraviento, Cuppatea, Nedim Şahin und der Autor und Lokalhistoriker Friedhelm Redlich den Abend. Die Veranstaltung im Bennohaus in Klein-Muffi beginnt am Mittwochabend um 19.30 Uhr.

Am 8. Mai 2022, wegen Corona mit zweijähriger Verspätung, stand „Brot und Rosen – Lieder für eine bessere Welt“ auf dem Spielplan der Ruhrfestspiele in Recklinghausen. Cuppatea, das Duo Sigrun Knoche und Joachim Hetscher aus Münster, waren ebenso dabei wie der Chor Chorrosion, die Grenzgänger, die Spätlese und das Duo Contraviento.

Kampfruf seit 1911

„Bread and Roses“ war die Forderung US-amerikanischer Arbeiterinnen während einer großen Streikaktion Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Die New Yorker Gewerkschafterin Rose Schneiderman forderte in ihrer Rede 1911: „The woman worker needs bread, but she needs roses too.“ 1912 wurde Brot und Rosen als Parole beim Streik von mehr als 20.000 Textilarbeiterinnen in Lawrence, Massachusetts bekannt. Seitdem gehört der Slogan zur Internationalen Gewerkschaftsbewegung und zur Frauenbewegung.

Vorabkonzert in Münster

Die beiden Duos Contraviento und Cuppatea nutzen die Gelgenheit um quasi vorab am 30. April 2022 in Münster vor damals nur 35 Gästen gemeinsam die lokale Version von „Brot und Rosen – Lieder für eine bessere Welt“ ins Leben zu rufen. Erfolgreich, denn jedes Jahr wuchs die Zuhörer*innenschaft. Kamen im zweiten Jahr schon 80 Gäste wuchs 2024 die Zahl im ausverkauften Haus schon in den dreistelligen Bereich. 2025 gastieren sie nun im Bennohaus, wo beim rund dreistündigen Auftritt viele engagierte Liedern und Texte in zahlreichen Sprachen zu hören sein werden.

Erinnerung an den 8. Mai 1945

Im ersten Teil des Abendprogramms im Bennohaus werden die Künstler*innen den Schwerpunkt auf die Erinnerung an den 8. Mai 1945 setzen. Mit historischen und aktuellen antifaschistischen Liedern zeigen sie die Facetten und die Aktualität des Widerstands gegen den Faschismus auf – in deutscher, englischer, griechischer, spanischer und türkischer Sprache. Autor Friedhelm Redlich erzählt bislang unbekannte Geschichten aus dem Widerstand einfacher Menschen gegen den Nationalsozialismus in Münster.

Der Eintritt beträgt 15 Euro beziehungsweise ermäßigt 12 Euro. Karten gibt es im Vorverkauf per E-Mail.

Gelungener Auftakt des „Woody-Guthrie-Festivals“ 2019

Bis auf den letzten Platz war der Veranstaltungsraum in der Frauenstraße 24 am Sonntagnachmittag (13. Oktober) gefüllt, als Joachim Hetscher das diesjährige „Woody-Guthrie-Festival“ in Münster eröffnete. Eingeladen war zum Thema „Pete Seeger“ der Darmstädter Musikjournalist Thomas Waldherr. Er ließ in Texten und Erzählung vor den zahlreichen Zuhörer*innen das Leben des New Yorkers Seeger, der 94-jährig im Januar 2014 verstarb, nacherlebbar werden. Der unermüdliche Kämpfer schrieb weltberühmte Protestlieder und wurde unter anderem mit seiner erweiterten Version von „We Shall Overcome“ („eines Tages werden wir (es) überwinden“) oder das von ihm geschrieben Antikriegsliedes „Where Have All The Flowers Gone?“ zur Stimme der Bürgerrechts- und Antikriegsbewegung in den USA. Selbst mit 90 Jahren schrieb Pete Seeger noch Protestsongs.

Thomas Waldherr

Auch für den Musikfachmann und Americana-Fan Thomas Waldherr war Pete Seeger einer der erstaunlichsten Musiker des 20. Jahrhunderts. In den 1940er Jahren war Seeger mit Woody Guthrie auf Veranstaltungen und Protesten der Arbeiterbewegung unterwegs. In den 60ern des vergangenen Jahrhunderts wandte sich der Sänger der Antikriegs- und der entstehenden Umweltbewegung zu. Seeger gründete mit seiner Frau Toshi Seeger 1966 eine gemeinnützige Organisation, die sich um den Schutz des Hudson River und seiner umliegenden Feuchtgebiete und Wasserstraßen kümmerte.

Sie ließen die Schaluppe Clearwater bauen, die 1969 ihre Jungfernfahrt entlang der Atlantikküste von der Harvey Gamage-Werft in Maine zum South Street Seaport in New York City unternahm. Jährliches veranstalteten sie zudem das Musik- und Umweltfestival „Great Hudson River Revival“.

Sigrun Knoche und Joachim Hetscher, das Münsteraner Duo Cuppatea, intonierte am Sonntag zwischen den Erzählungen von Thomas Waldherr die Lieder von Pete Seeger.

Die Zuhörer*innen gingen mit und stimmten später auch in den Gesang mit ein. „Am Ende konnten alle „We Shall Overcome“ perfekt mitsingen“, freute sich Joachim Hetscher nach der rund zweistündigen Veranstaltung.

Heute (Montag, 14. Oktober) stehen in der Frauenstraße 24 (Beginn: 20 Uhr) im Rahmen des „Woody-Guthrie-Festivals“ 2019 Lieder von Krieg und Frieden aus fünf Jahrhunderten „Soldaten-Leben“, vorgetragen von Günter Gall und Konstantin Vassiliev, auf der Agenda. Die Künstler schlagen eine Brücke vom „Dreißigjährigen Krieg“ über die Preußenzeit mit dem „Siebenjährigen Krieg“, den großen Kriegen des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart mit einem höchst individuellen Blick auf die aktuelle Weltlage. Der Eintritt beträgt acht Euro.

Morgen, Dienstag, 15. Oktober, findet um 20 Uhr in der Trafostation (Schlaunstraße 15) der Abschluss des Festivals statt. Klaus der Geiger und Marius Peters aus Köln stellen die ihre neue CD „Imma dolla“ vor. Das Programm umfasst die Musik des Teufelsgeigers Niccolò Paganini, Eigenkompositionen und aktuelle politische Protest-Lieder. Der Eintritt beträgt zehn Euro. Karten sind im Vorverkauf für acht Euro zu haben.

Wo sind all die Blumen hin?

Als sich am 3. Oktober 2007 der Todestag des amerikanischen Gewerkschaftlers und Folksängers Woodrow Wilson „Woody“ Guthrie, der am 14. Juli 1912 in Oklahoma geboren wurde, zum vierzigsten Mal jährte, wurde aus diesem Anlass in Münster das erste „Woody-Guthrie-Festival“ durchgeführt.

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