Gelungener Auftakt des „Woody-Guthrie-Festivals“ 2019

Bis auf den letzten Platz war der Veranstaltungsraum in der Frauenstraße 24 am Sonntagnachmittag (13. Oktober) gefüllt, als Joachim Hetscher das diesjährige „Woody-Guthrie-Festival“ in Münster eröffnete. Eingeladen war zum Thema „Pete Seeger“ der Darmstädter Musikjournalist Thomas Waldherr. Er ließ in Texten und Erzählung vor den zahlreichen Zuhörer*innen das Leben des New Yorkers Seeger, der 94-jährig im Januar 2014 verstarb, nacherlebbar werden. Der unermüdliche Kämpfer schrieb weltberühmte Protestlieder und wurde unter anderem mit seiner erweiterten Version von „We Shall Overcome“ („eines Tages werden wir (es) überwinden“) oder das von ihm geschrieben Antikriegsliedes „Where Have All The Flowers Gone?“ zur Stimme der Bürgerrechts- und Antikriegsbewegung in den USA. Selbst mit 90 Jahren schrieb Pete Seeger noch Protestsongs.

Thomas Waldherr

Auch für den Musikfachmann und Americana-Fan Thomas Waldherr war Pete Seeger einer der erstaunlichsten Musiker des 20. Jahrhunderts. In den 1940er Jahren war Seeger mit Woody Guthrie auf Veranstaltungen und Protesten der Arbeiterbewegung unterwegs. In den 60ern des vergangenen Jahrhunderts wandte sich der Sänger der Antikriegs- und der entstehenden Umweltbewegung zu. Seeger gründete mit seiner Frau Toshi Seeger 1966 eine gemeinnützige Organisation, die sich um den Schutz des Hudson River und seiner umliegenden Feuchtgebiete und Wasserstraßen kümmerte.

Sie ließen die Schaluppe Clearwater bauen, die 1969 ihre Jungfernfahrt entlang der Atlantikküste von der Harvey Gamage-Werft in Maine zum South Street Seaport in New York City unternahm. Jährliches veranstalteten sie zudem das Musik- und Umweltfestival „Great Hudson River Revival“.

Sigrun Knoche und Joachim Hetscher, das Münsteraner Duo Cuppatea, intonierte am Sonntag zwischen den Erzählungen von Thomas Waldherr die Lieder von Pete Seeger.

Die Zuhörer*innen gingen mit und stimmten später auch in den Gesang mit ein. „Am Ende konnten alle „We Shall Overcome“ perfekt mitsingen“, freute sich Joachim Hetscher nach der rund zweistündigen Veranstaltung.

Heute (Montag, 14. Oktober) stehen in der Frauenstraße 24 (Beginn: 20 Uhr) im Rahmen des „Woody-Guthrie-Festivals“ 2019 Lieder von Krieg und Frieden aus fünf Jahrhunderten „Soldaten-Leben“, vorgetragen von Günter Gall und Konstantin Vassiliev, auf der Agenda. Die Künstler schlagen eine Brücke vom „Dreißigjährigen Krieg“ über die Preußenzeit mit dem „Siebenjährigen Krieg“, den großen Kriegen des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart mit einem höchst individuellen Blick auf die aktuelle Weltlage. Der Eintritt beträgt acht Euro.

Morgen, Dienstag, 15. Oktober, findet um 20 Uhr in der Trafostation (Schlaunstraße 15) der Abschluss des Festivals statt. Klaus der Geiger und Marius Peters aus Köln stellen die ihre neue CD „Imma dolla“ vor. Das Programm umfasst die Musik des Teufelsgeigers Niccolò Paganini, Eigenkompositionen und aktuelle politische Protest-Lieder. Der Eintritt beträgt zehn Euro. Karten sind im Vorverkauf für acht Euro zu haben.

Rojava verteidigen

In Münster demonstrierten am Samstag (12. Oktober) Hunderte gegen die militärische Aggression der Türkei, die erneut in Nordsyrien die Kurden vertreiben will. Etwa 800 Menschen zogen vom Hauptbahnhof zu den Geschäftsstellen der GroKo-Parteien SPD und der CDU sowie am türkischen Konsulat vorbei, um gegen den Angriffskrieg der türkischen Armee gegen Rojava zu protestieren. Zum Protest aufgerufen hatten das Bündnis Perspektive Rojava, die Interventionistische Linke Münster, die Revolutionäre Linke (ROSA), das Odak Kulturzentrum und das Demokratisch-Kurdische Gesellschaftszentrum Münster (DKGZ).

Obwohl sehr viele Kurden aus dem Münsterland zur zeitgleich stattfindenen Demonstration nach Köln gefahren waren, wie Ekrem Atalan vom DKGZ Münster bestätigte, zeigte Münster am Samstag Flagge.


Selbst verwaltet und bedroht

Das Odak Kulturzentrum lud am Freitag (11. Oktober) Interessierte ein, sich mit der Situation von selbstverwalteten Betrieben auseinanderzusetzen. Die Beispiele der besetzten Seifenfabrik VioMe im griechischen Thessaloniki sowie der Bekleidungskooperative Kazova in Istanbul wurde in Filmen präsentiert und anschließend vom Publikum intensiv diskutiert. Die Veranstaltung moderierte Hidir Ates.

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Vorstand einstimmig bestätigt

Die erste offizielle Mitgliederversammlung der im Februar 2019 gegründeten LEG-Mieter*innen-Initiative Münster trat am Dienstagabend (8. Oktober 2019) in der Zukunftswerkstatt zusammen. Neben dem Bericht des Lenkungsausschusses (Vereinsvorstand) und die Aussprache über aktuelle beim Amtsgericht Münster anstehende Verhandlungen wurden auch eine Satzung des nicht eingetragenen Vereins verabschiedet und der Vorstand (Lenkungsausschuss) neu gewählt.

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Sozialdemokrat will Münsters Oberbürgermeister werden

Die Kommunalwahlen 2020 werfen ihre ersten Schatten voraus. Am Montag (2. September) verkündete Michael Jung, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Münster, wie die Westfälischen Nachrichten berichteten, dass er im kommenden Jahr gern gegen den amtierenden Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) kandidieren möchte.

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Mietspiegel – Fluch oder Segen?

In Münster werden gerade flächendeckend die Mieten erhöht. Grund dafür ist die Fortschreibung des Mietspiegels im Frühjahr diesen Jahres. Die LEG Immobilien AG will zum 1. September die Mieten mit der Begründung neuer Mietspiegel „anpassen“. Auch wenn die Erhöhungen vielfach als moderat empfunden werden, wehren sich viele Mieter*innen gegen die Verteuerung ihres Wohnens. Bis zum Ende diesen Monats können Mieter*innen, deren Miete ab September steigen soll, noch schriftlich zum Beispiel bei der LEG widersprechen.

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Einmal aufe* zum Mittagskogel

„Wir waren auf Kreta und auch in Südtirol. Beides war uns viel zu heiß. Deshalb kommen wir seit rund 30 Jahren zum Faaker See in Kärnten“, erläuterte Brigitte Koch aus Berlin, die mit Ehemann Julius zum 25 Mal hintereinander in der gleichen Ferienwohnung in der Region Villach ihren dreiwöchigen Sommerurlaub verbringt. Langweilig sei es den Pensionären noch nie geworden: „Einerseits treffen wir immer wieder Urlaubsfreunde und andererseits bietet uns das Dreiländereck Österreich, Slowenien und Italien unzählige Möglichkeiten der Urlaubsgestaltung.“

Blick vom Balkon auf den Faaker See.

Der private Faaker See, ein Juwel in türkisblau, ist der südlichste der österreichischen Alpenseen. Über dem Badesee, auf dem nur muskel-, wind- und elektrobetriebene Wassergefährte zugelassen sind, thront der 2145 Meter hohe Mittagskogel. Die Ortschaften Egg, Drobollach, Faak, Finkenstein, Latschach und Oberaichwald liegen rund um das 2,2 Quadratkilometer große Gewässer, das von West nach Ost durch eine Bodenschwelle, die sich als Insel bis zu zwölf Meter über die Wasseroberfläche erhebt, in zwei Becken geteilt wird.

Neben den privaten Badestellen der Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätze gibt es am Faaker See beliebte öffentliche Badeanstalten. „Wir könnten auch am zu den Ferienwohnungen gehörenden Strand gehen. Lieber sind wir aber im öffentlichen Bad, denn dort treffen wir Bekannte und haben einfach mehr Unterhaltung und Spaß. Zudem wird seit einigen Jahren kein Eintritt mehr verlangt“, verriet die Berlinerin Brigitte Koch.

Der Mittagskogel hilft bei der Kanutour durch das Schilf im Faaker See nur bedingt als Orientierungshilfe. [Foto: Nicole Demmer]

über Die Einheimischen sprechen liebevoll von ihren Everglades, wenn sie die Paddeltour durchs hohe Schilf am Abfluss des Faaker Sees sprechen. Dicht rückt der Pflanzenbewuchs an den schmalen Wasserweg heran, so dass es schon einiger Paddelkünste bedarf, um zum Beispiel dem Krokodil, natürlich nur in Form einer Luftmatratze, sicher ausweichen zu können. Vom See kommend lohnt sich am Badestrand des Campingplatzes ein Stärkung, denn zurück muss auch gegen die sanfte Strömung des Seebachs, der in die Gail fließt, gepaddelt werden.

Wassergymnastik mit Hannelore im ****Hotel Karnerhof am Faaker See.

Natürlich verlockt der keine 30 Meter tiefe Faaker See zum Baden. Martin Fleischer und seine Lebensgefährtin Saskia Oeinghaus haben die fünfstündige Anreise aus Regensburg an den See selbst für ein Brückenwochenende nicht gescheut und schon gar nicht bereut. „Ich habe vom Faaker See vor drei Wochen in einem Reisebericht der Mittelbayerischen Zeitung gelesen. Da wir sowohl aktiv sein wollen, aber auf Wellness nicht verzichten möchten, hat Martin im Internet gesucht“, erzählte Saskia Oeinghaus an der Strandbar des Hotels Karnerhof in Egg. „In dem Zeitungsartikel stand, dass man von der Sauna direkt in den See springen kann. Als ich dann dies Hotel im Netz wiederfand, gab es bei uns kein Halten mehr“, ergänzte Martin Fleischer.

Neben Schwimmen stand Mountainbiking, Joggen und Standby-Paddeln bei den aktiven Endvierzigern auf dem Programm. Nach Sauna, Whirlpool und Stranddrink auf dem großzügigem Hotelgelände waren beide Regensburger abends fit, um sich den kulinarischen Genüssen der Villacher Region zu widmen. Auch der ordentliche Schauer auf der Bergtour bremste die Begeisterung nicht. „Das gehört dazu, wenn man in den Alpen aktiv ist“, lachte Saskia Oeinghaus am Pool in der Nachmittagssonne, um sich mit einem Sprung ins Becken schon wieder nass zu machen.

Affen, Adler und gutes Essen erwartet Besucher an und auf der Burgruine Landskron.

Ein Katzensprung entfernt vom Faaker See liegt über dem Ausläufer des Ossiacher Sees die Burgruine Landskron. Auf dem Weg die Mautstraße hinauf – gute Wanderer können auch im Tal ihr Fahrzeug abstellen – sind zunächst die Affen los. Als die ersten 49 Japanmakaken, die im Wald am Affenberg in Kärnten nahezu heimische Bedingungen vorfinden, gerade eingezogen waren, sorgten sie für eine spektakuläre Marketingmaßnahme.

Die jüngste Bewohnerin des Japanmakaken-Wildparks, erst 14 Tage alt, ist meist noch fest in Mamas Fell eingekrallt.

Als die Affen 1996 einzogen, war der Zaun oben mit Elektrodraht gesichert. „Nachdem der erste Affe einen Kurzschluss ausgelöst hatte, kletterten alle raus und zogen runter ins Dorf“, berichtet die Führerin zu Beginn der 45-Minuten-Tour durch das artgerechte Freigehege mit heute 167 Japanmakaken: „Zu Fressen fanden sie in den Gärten genug. Einige machten sich zudem über den Gemüsestand eine Supermarktes her.“

Inzwischen ist der Wildpark mit einem für die Japanmakaken unüberwindbarem Plastikaufsatz versehen, so dass sich die Affen ganz auf ihr Leben im Wald und den regelmäßigen Besuch der Touristen konzentrieren können. Die Gruppe wächst von Jahr zu Jahr, so dass auch die Wildparkleitung immer wieder Neues für die Japanmakaken baut. Jüngst entstand ein Teich mit Seilen und Klettergerüst darüber. „Zumindest die Jüngeren gehen gern ins Wasser. Gute Schwimmer sind aber alle Japanmakaken.“

Von den Besuchern, die nicht füttern dürfen, lassen sich die Japanmakaken kaum stören. Den Jüngsten und den Leittieren sind die Führungen sogar ganz lieb, denn dann gibt es von der Tierpflegerin immer wieder Obst, Gemüse oder Kartoffeln.

Einen Parkplatz höher – im Schatten der Burgruine, in der Gäste wie die früheren Fürsten tafeln können – warten die heimischen Greifvögel auf Besucher. In der Adler-Arena auf der Burg Landskron können zahlreiche Greifvögel – vom Kolkraben über Wanderfalken und Gänsegeier bis zum Steinadler – in den geräumigen Volieren beobachtet werden. Höhepunkt für die Besucher der Landskron sind natürlich die rund 40-minütigen Flugvorführungen der Greifvögel. Mit dem spektakulären Sturzflug des Steinadlers, der sogar schon eine Hauptrolle in einem Film spielte, endet die eindrucksvolle Show.

Für Inhaber der Kärnten Card fällt übrigens der Eintritt weg. Nur die 3,50 Euro für die Mautstraße muss an der Landskron entrichtet werden. Sie kostet für eine Woche 41 Euro für Erwachsene und 25 Euro für Kinder. Insgesamt entfällt über hundert Mal der Eintritt bei Kärntens schönsten Ausflugszielen. Zudem gibt es Ermäßigungen bei den Bonuspartnern. Die Kärtnen Card ist gültig vom 5. April bis 27. Oktober. Wer länger bleibt kann auch eine Zwei- oder Fünf-Wochenkarte (ab 67 Euro beziehungsweise ermässigt 34 Euro) erwerben. Beim Ausleihen von Elektro-Fahrrädern gewährt „Kärnten rent e bike“ zudem zehn Prozent Rabatt.

Aber auch schon die Erlebnis-Card der Region Villach, die teilnehmende Gastgeber kostenfrei für ihre Gäste ausstellen, lohnt sich. Mit der Erlebnis-Card kann zwischen 29. April und 3. November zum Beispiel der Zitrusgarten kostenfrei besucht werden oder ohne Zahlung an geführten Wanderungen und der Stadtführung teilgenommen werden. Auch die Radbusse (sogar über die Grenze) können frei genutzt werden. Selbst zwei Abendstunden im Warmbad Villach (Kärnten Therme) sind kostenfrei.

Dieser Uhu verlässt für die Flugshow hoch über Villach gern seinen Zinnenturm – schließlich haben die Falkner immer etwas Leckeres für die Eule dabei.

Im Cafe oder dem Restaurant auf der Landskron kann nicht nur getafelt werden. Bei herrlichem Ausblick über den Ossiacher See, die Kärntner Alpen sowie die italienischen und slowenischen Gipfel und hinab auf die Regionshauptstadt Villach schmeckt der Espresso oder das Villacher Bier besonders gut. Zudem lassen sich die Paraglider, die seit 1961 hier niedergehen, gut beobachten. Die Könner unter ihnen proben Kunststücke, so dass dem Betrachter der Atem stockt. Dies dürfte auch den Tandemspringern so gehen, wenn sie erstmals mit einem erfahrenen Begleiter aus 4000 Meter Höhe der Burg Landskron entgegen rasen.

Für die Wanderer ist die Stärkung vor dem Abstieg nach Affentheater und Greifvogelschau sicherlich sogar notwendig. Die Autonutzer stärken sich aber auch, zumindest wenn sie noch einen Spaziergang durch die historische Villacher Altstadt vornehmen wollen.

Von der Draunbrücke zieht sich der mediterran angehauchte Hauptplatz hoch bis zur Stadtpfarrkirche St. Jakob. Die Shopingmeile lädt nicht nur um die Dreifaltigkeitssäule zum Verweilen ein.

Geführt durch Informationen über das kostenfreie WLAN-Netz „WiVi“ kann die zweitgrößte Stadt Kärntens individuell besichtigt werden. Erstmals erwähnt wurde „Pons Uillah“, das heutige Villach, im Jahr 878. Es ist aber nachgewiesen, dass schon die Römer die warmen Quellen Villachs nutzten. Auch wenn durch 52 Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg Lücken in den historischen Baubestand gerissen wurden, lohnt besonders ein Sparziergang über den Hauptplatz und seine rechts und links abgehenden Gässchen.

Zurück am Faaker See wird sich nach einem abendlichen Bad im See kräftig gestärkt, denn am nächsten Tag steht Klettern auf der Agenda.

Blick von der 724 Meter hohen Taborhöhe auf den Faaker See. Selbst bei Regenwetter eine schöne Aussicht. [Foto: Dieter Wacker]

Von der Unterkunft wird gemütlich auf die 724 Meter hohe Taborhöhe „HocHHinAuf“ gewandert. Oben wartet nicht nur ein atemraubender Blick auf den Faaker See und eine gemütliche Berghütte zum Einkehren sondern auch der Waldseilpark und der 3D-Bogenparcour. Feste Schuhe und bequeme Kleidung und 25 Euro (17 Euro für Kinder zwischen sechs und 14 Jahren) reichen, um die weitläufige, sichere Anlage zu durchklettern. Anschließend können Gruppen ab fünf Personen sich noch im Scheiben- oder 3D-Bogenschießen messen, ehe in der Taborhütte Achkatzlspeck*, Gölbe Suppn*, Kasnudi* oder Wazan* aufgetischt werden.

Wem der Faaker See zu kalt ist, der springt einfach in einen der vier Pools des Karnerhofs.

Was sollten Urlauber am Faaker See unbedingt machen? „Wer nicht nur für ein langes Wochenende kommt, sollte zwingend einmal auf den Mittagskogel steigen“, empfahl Brigitte Koch mit einem Schmunzeln im Gesicht.

„Deshalb müssen wir ja auch jedes Jahr zurück zum Faaker See kommen“, erläuterte Ehemann Julius Koch: „Schließlich haben wir es bislang nur zur Hütte auf dem halben Weg geschafft, denn dann zwang uns ein Gewitter zur Umkehr.“ Sicherlich ein sehr guter Grund, Jahr für Jahr oder auch immer wieder zum Faaker See zu reisen.

Pfiati!*

* Übersetzungen aus dem Kärtner Dialekt: aufe = hinauf, Achkatzlspeck = dünn aufgeschnittener, fein durchzogener Speck, Gölbe Suppn = typische Villacher Kirchtagssuppe, Kasnudi = traditionelle gefüllt Teigtaschen, Wazan = Kärntner Hefeteiggebäck, Pfiati = Tschüss.

Gysi in der Kirche

Chef der Europäischen Linken eröffnet Woche der Brüderlichkeit in Welbergen

Ochtrup. Als niemand mehr in die kleine „Alte Kirche Welbergen“ hereinkam, entschieden am späten Sonntagnachmittag die Organisatoren der Auftaktveranstaltung der Woche der Brüderlichkeit des Kulturforums Ochtrup, die Kirche zu wechseln. Zu groß war das Interesse der Menschen in nördlichen Münsterland daran, was Gregor Gysi, Bundestagsabgeordneter und Präsident der Europäischen Linken, zum Motto „Mensch, wo bist Du? Gemeinsam gegen Judenfeindschaft“ zu sagen hatte.

Nur die Plätze der Ehrengäste waren in der Alten Kirche Welbergen eine halbe Stunde vor der Rede von Gregor Gysi noch frei. Kurzfristig wurde die Veranstaltung in die gegenüberliegende „neue“ und vor allem größere St. Dionysius-Kirche verlegt.

Ochtrups SPD-Bürgermeister Kai Hutzenlaub begrüßte das Publikum und den Berliner Gast, der zuvor von der Stadt als „Deutschlands wichtige Stimme des Ostens“ angekündigt worden war. Nach nur wenigen Worten räumte er den Platz am Mikro für Gregor Gysi.

Das Folkduo „Am Rhin“, Petra und Klaus Spellmeyer, rahmten die Auftaktveranstaltung musikalisch ein.

Obwohl die ersten Worte nur die wenigsten Zuhörer erreichten, gewann der prominente Gast durch seine charmante Art und die durch und durch versöhnlichen Worte schnell die Sympathie des überwiegend älteren Publikums. Nach dem dritten Mikrowechsel war der Berliner Politiker dann auch in der ganzen Kirche zu verstehen.

Zu Beginn unterstrich Gysi, der sein eigenes Zitat bemühte („Ich glaube nicht an Gott, aber ich fürchte eine gottlose Gesellschaft“ [, weil sie moralfrei wäre.]), um sein Verhältnis zur Religion zu verdeutlichen, dass er den wachsenden Antisemitismus in Deutschland und Europa gefährlich findet. Er müsse wie der Nationalismus und der Rassismus in und von der Gesellschaft entschlossen bekämpft werden.

Er brach aber auch eine Lanze für die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer, denen nicht nur aber auch aus jüdischen, christlichen und muslimischen Motiven geholfen werden müsse. Damit leitete Gregor Gysi seinen politischen Teil ein, bei dem er verdeutlichte, dass „die Welt immer enger zusammenrücke“. Auch als Linker müsste er betonen: „Die Konzernchefs sind nicht an Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus interessiert – sie sind nämlich international aufgestellt.“ Dabei machte er am Beispiel der Arbeitnehmer deutlich, dass er keinesfalls ein Genosse der Bosse sei: „Die Gewerkschaften sind schon lange nicht mehr gleichberechtigt.“

Scharf grenzte Gregor Gysi sich von den populistischen und rechten Bewegungen in Europa ab: „Diese Leute von Orbán bis zu AfD wollen nicht die Globalisierung abschaffen, sondern sich nur deren Vorteile sichern. America first macht dies deutlich.“ Tatsächlich sei aber eine interventionistische Politik der reichen Länder notwendig. Gysi: „Im Libanon kommen auf 1000 Einwohner 164 Flüchtlinge – in Deutschland auf 1000 Einwohner zwölf.“ Er wusste auch, wie die Flüchtlingswelle von 2015 zu verhindern gewesen wäre: „Das Internet hat eines erreicht: Weltweit ist nun ein Vergleich des Lebensstandards möglich.“ Neben Kriegen, neben Hunger und Elend sei dies eine weitere entscheidende Fluchtursache. Hätte auch Deutschland den später geflüchteten Menschen schon deutlich früher in ihren Ländern geholfen, wäre der Lebensstandard gestiegen und die Fluchtursachen zumindest in großen Teilen entfallen. Was ab 2015 die öffentlichen Finanzen in Deutschland belaste, sei in der Summe um ein vielfaches höher, als wenn das Geld rechtzeitig für die Menschen in den heutigen Fluchtländern zur Verfügung gestellt worden wäre, erklärte der Bundestagsabgeordnete: „Wir müssen den Mut haben, Schaden frühzeitig abzuwehren.“

Dazu gehört für Gregor Gysi auch, wie er ja aus eigenem Erlebnis wisse, das Mauern nur dazu dienen, Menschen nicht rein – oder auch nicht raus – zu lassen. Doch irgendwann sei der Druck so groß, dass die Mauern einstürzten: „Mauern machen Probleme nur vorübergehend unsichtbar.“

Ein gewichtiges aktuelles Problem sieht der Rechtsanwalt im großen Exportüberschuss in Deutschland: „Wir sind schon wieder Exportweltmeister.“ Für eine gerechtere Welt und ein menschenwürdiges Leben für alle in Deutschland, müsse „dieser Überschuss Stück für Stück abgebaut werden“. Dazu beitragen würden höhere Renten und hohe Sozialleistungen, die gemeinsam den Exportüberschuss durch eine gesteigerte Binnennachfrage senken würden. Aber dazu sieht er den Willen nur bei seiner eigenen Partei. „Natürlich bin ich froh, dass die SPD zu bestimmten Werten zurückzukehren gedenkt“, so Gysi, der aber bezweifelte, dass die Sozialdemokraten sich in nächster Zeit zu einer wirklichen sozialen Politik durchringen könnten. Aber auch die Rechten böten keine tatsächliche Alternative. Trotzdem sei er dagegen, die AfD zu verbieten: „Das was wir tun müssen, ist das Interesse an ihnen durch eine geänderte Politik wieder abzubauen.“

Es sei schon verwunderlich, dass ausgerechnet er gegenüber einem Würdenträger der katholischen Kirche zum Verteidiger des Papstes geworden sei. „Kapitalismus tötet“, hatte Papst Franziskus – sehr zum Unverständnis eines Klostervorstehers – gesagt. „Als ich diesem verdeutlichte, was der Papst meinte, war er sprachlos. Die weltweite Nahrungsprduktion könnte alle Menschen zwei Mal ernähren, tatsächlich verhungern aber 18 Millionen Menschen im Jahr.“

Gysi erinnerte an den ersten Paragrafen des Grundgesetzes und mahnte die Achtung der Würde anderer an: „Wir dürfen die Kultur jeder Gesellschaft niemals unterschätzen.“ Dies gelte auch im Umgang mit dem Anderen: „Es ist entscheidend, welche Meinung wir von Menschen haben, die irgendwie anders sind.“ Schauten wir genau hin, würde deutlich, dass auch sie uns etwas zu geben haben. „Die soziale Frage ist eine Menschheitsfrage“, rief Gregor Gysi in die St. Dionysius-Kirche.

„Die Frage nach der Nationalität oder Religion eines Menschen ist für mich völlig überflüssig. Wichtig ist der Charakter und das, was dieser Mensch tut.“ Die Zuhörer in Welbergen bedankten sich bei Gregor Gysi mit langem Applaus und teilweise stehenden Ovationen.

Ochtrups Bürgermeister Kai Hutzenlaub und seine Tochter Marlen, seit Januar stellvertretene Vorsitzende des Jugendparlaments Ochtrup, freuten sich, dass Grgor Gysi in ihrer Gemeinde zu Gast war.

Zum Abschluss der Auftaktveranstaltung der 30. Woche der Brüderlichkeit des Kulturforums Ochtrup sprach traditionell ihr Vorsitzender Dr. Guido Dahl. Er legte den Schwerpunkt auf die Notwendigkeit der Zusammenarbeit der verschiedenen Religionen.

Mit 67 Treckern und weit über tausend Menschen gegen die Atommüllpolitik

Beeindruckender Protest in Ahaus / Dr. Harengerd erinnert an Fukushima

Ahaus. Weit über tausend Demonstranten – unterstützt durch 67 Traktoren – zogen am Samstagmittag (9. März) in Ahaus vom Bahnhof zum Rathaus, um gegen die Atommüllpolitik in Land und Bund zu demonstrieren. Auf 1000 Teilnehmer hatten die Organisatoren der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ gehofft. Schon bei der Auftaktkundgebung am Ahauser Bahnhof wurde diese Hoffnung erfüllt. Zwar wollte die Polizei nur 1000 Anti-AKW-Gegner gezählt haben, doch die Veranstalter gingen von bis zu 1400 Menschen bei der Aktion aus. Diese Zahl war angesichts des langen Demonstrationszuges sehr wahrscheinlich.

Zur Kundgebung vor dem Rathaus in Ahaus durften die 67 Trecker der Bauern aus dem Westmünsterland nicht mit – es hätte wegen der weit über 1000 Demonstranten auch gar kein Platz für die Zugmaschinen bei der zweiten Kundgebung gegeben.

Der Münsteraner Dr. Michael Harengerd, NRW-Landesvorstandsmitglied des BUND und in dem Gremium für den Atomausstieg verantwortlich, erinnerte bei der Auftaktkundgebung an die Katastophe vor acht Jahren im japanischen Fukushima und warb für einen schnellen Ausstieg aus der Atomenergie: „150 000 Menschen mussten damals die verseuchte Gegend verlassen. Schilddrüsenerkrankungen bei Kindern haben dort seitdem um das 30-fache zugenommen. Das sind die wahren Konsequenzen der Nutzung der Atomkraft. Nur der Druck, den wir – auch heute hier in Ahaus – ausüben, kann etwas verändern.“

Noch in diesem Jahr soll aus dem Forschungsreaktors FRM II in Garching bei München erstmals ein Transport mit abgebrannten Brennelementen ins Zwischenlager Ahaus rollen.

Hartmut Liebermann, Sprecher der Ahauser BI, setzte sich am Bahnhof mit der bundesweiten Suche nach einem Atommüll-Endlager auseinander: „Dass Gorleben nicht geeignet ist, wissen wir seit mehr als 40 Jahren. Es muss nach Lösungen gesucht werden. Die Untersuchungen müssen jetzt beginnen, nicht erst zwei oder drei Jahre vor Ablauf der jeweiligen Genehmigungen.“

Dann nahm Liebermann die beiden Bundesministerinnen aus dem Münsterland ins Visier: „Die beiden kümmern sich einen Dreck darum, was im Münsterland passiert.“ Der starke Applaus der Demonstranten signalisierte klare Zustimmung. Allerdings waren die Münsteranerin Svenja Schulze (SPD), Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, und die Ibbenbürenerin Anja Karliczek (CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung, beide nicht in Ahaus.

Den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie forderte Hartmut Liebermann, Sprecher der Ahauser BI, und seine zahlreichen Mitstreiter am Samstag.

Nach gut einer Stunde setzte sich der lange Demonstrationszug durch die Ahauser Innenstadt in Bewegung. Kurz vor der Abschlusskundgebung mussten die Landwirte ihre Trecker abstellen, denn durch die Masse der Teilnehmer wäre vor dem Rathaus in Ahaus schlichtweg kein Platz für die fast 70 Landmaschinen gewesen. Obwohl zum Ende des Zuges heftiger Regen einsetzte, harrten die Anti-AKW-Aktivisten aus. Landwirt Josef Wissing aus dem benachbarten Vreden stellte seinen Trecker ab und erklärte gegenüber der Münsterland-Zeitung: „Wenn ein Behälter aus Jülich hier in Ahaus undicht wird, dann ist das eine Katastrophe für die Landwirtschaft. Die Schweinepest ist ein Witz dagegen“.

Alt und jung wehrten sich in Ahaus gegen die Möglichkeit im Westmünsterland ein Atommüll-Endlager einzurichten.

Zum Abschluss sprach vor dem Rathaus auch die Ahauser Bürgermeisterin Karola Voß, die zuvor auch mitdemonstriert hatte: „Die Sorgen der Menschen vor Ort sind spürbar, aber Rat und Verwaltung können nur wenig tun“. Klischnasse Demonstranten, die Voß als „Glücksfall für Ahaus“ einschätzten, bejubelten die klaren Worte der in Sachen Atommüll auch auf das Protestieren beschränkten Handlungsmöglichkeit Bürgermeisterin.

Hubertus Zdebel (links) im Gespräch mit Demonstranten. (Foto: BI Ahaus / Facebook)

Auch der Münsteraner Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (Die Linke) war vor Ort: „Es ist und bleibt unverantwortlich, weiter mit dem Betrieb von AKWs Atommüll zu erzeugen, wenn deren langfristige Lagerung völlig ungelöst ist. Immer mehr Atommüll aus der gesamten Bundesrepublik und demnächst auch aus Frankreich und England soll nach Ahaus transportiert werden. Dabei läuft Mitte der 2030er Jahre die Genehmigung für die Zwischenlagerung in Ahaus aus. Ein Endlager für diesen Atommüll soll es aber frühestens 2050 geben, Experten sagen sogar erst 2080 oder noch später. Kein Wunder, wenn also die Sorge umgeht, Ahaus könnte zum Endlager werden.“

Am Nachmittag fuhren Traktoren und Busse mit Demonstranten zum vier Kilometer außerhalb der Ahauser Innenstadt gelegenen Atommüll-Zwischenlager. Schwarze Fahnen und gelbe Kreuze links und rechts auf den Feldern an der Schöppinger Straße (L 570) markierten schon die letzten hundert Meter vor den unerwünschten beiden Lagerhallen. Am Samstag kamen noch unzählige mahnende schwarze Fahnen hinzu.

Der mit der Veranstaltung sehr zufriedene BI-Sprecher Felix Ruwe rief zum Weitermachen auf: „Wir sollten alle wieder auf der Straße sein, wenn der Castor kommt.“