Einmal aufe* zum Mittagskogel

„Wir waren auf Kreta und auch in Südtirol. Beides war uns viel zu heiß. Deshalb kommen wir seit rund 30 Jahren zum Faaker See in Kärnten“, erläuterte Brigitte Koch aus Berlin, die mit Ehemann Julius zum 25 Mal hintereinander in der gleichen Ferienwohnung in der Region Villach ihren dreiwöchigen Sommerurlaub verbringt. Langweilig sei es den Pensionären noch nie geworden: „Einerseits treffen wir immer wieder Urlaubsfreunde und andererseits bietet uns das Dreiländereck Österreich, Slowenien und Italien unzählige Möglichkeiten der Urlaubsgestaltung.“

Blick vom Balkon auf den Faaker See.

Der private Faaker See, ein Juwel in türkisblau, ist der südlichste der österreichischen Alpenseen. Über dem Badesee, auf dem nur muskel-, wind- und elektrobetriebene Wassergefährte zugelassen sind, thront der 2145 Meter hohe Mittagskogel. Die Ortschaften Egg, Drobollach, Faak, Finkenstein, Latschach und Oberaichwald liegen rund um das 2,2 Quadratkilometer große Gewässer, das von West nach Ost durch eine Bodenschwelle, die sich als Insel bis zu zwölf Meter über die Wasseroberfläche erhebt, in zwei Becken geteilt wird.

Neben den privaten Badestellen der Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Campingplätze gibt es am Faaker See beliebte öffentliche Badeanstalten. „Wir könnten auch am zu den Ferienwohnungen gehörenden Strand gehen. Lieber sind wir aber im öffentlichen Bad, denn dort treffen wir Bekannte und haben einfach mehr Unterhaltung und Spaß. Zudem wird seit einigen Jahren kein Eintritt mehr verlangt“, verriet die Berlinerin Brigitte Koch.

Der Mittagskogel hilft bei der Kanutour durch das Schilf im Faaker See nur bedingt als Orientierungshilfe. [Foto: Nicole Demmer]

über Die Einheimischen sprechen liebevoll von ihren Everglades, wenn sie die Paddeltour durchs hohe Schilf am Abfluss des Faaker Sees sprechen. Dicht rückt der Pflanzenbewuchs an den schmalen Wasserweg heran, so dass es schon einiger Paddelkünste bedarf, um zum Beispiel dem Krokodil, natürlich nur in Form einer Luftmatratze, sicher ausweichen zu können. Vom See kommend lohnt sich am Badestrand des Campingplatzes ein Stärkung, denn zurück muss auch gegen die sanfte Strömung des Seebachs, der in die Gail fließt, gepaddelt werden.

Wassergymnastik mit Hannelore im ****Hotel Karnerhof am Faaker See.

Natürlich verlockt der keine 30 Meter tiefe Faaker See zum Baden. Martin Fleischer und seine Lebensgefährtin Saskia Oeinghaus haben die fünfstündige Anreise aus Regensburg an den See selbst für ein Brückenwochenende nicht gescheut und schon gar nicht bereut. „Ich habe vom Faaker See vor drei Wochen in einem Reisebericht der Mittelbayerischen Zeitung gelesen. Da wir sowohl aktiv sein wollen, aber auf Wellness nicht verzichten möchten, hat Martin im Internet gesucht“, erzählte Saskia Oeinghaus an der Strandbar des Hotels Karnerhof in Egg. „In dem Zeitungsartikel stand, dass man von der Sauna direkt in den See springen kann. Als ich dann dies Hotel im Netz wiederfand, gab es bei uns kein Halten mehr“, ergänzte Martin Fleischer.

Neben Schwimmen stand Mountainbiking, Joggen und Standby-Paddeln bei den aktiven Endvierzigern auf dem Programm. Nach Sauna, Whirlpool und Stranddrink auf dem großzügigem Hotelgelände waren beide Regensburger abends fit, um sich den kulinarischen Genüssen der Villacher Region zu widmen. Auch der ordentliche Schauer auf der Bergtour bremste die Begeisterung nicht. „Das gehört dazu, wenn man in den Alpen aktiv ist“, lachte Saskia Oeinghaus am Pool in der Nachmittagssonne, um sich mit einem Sprung ins Becken schon wieder nass zu machen.

Affen, Adler und gutes Essen erwartet Besucher an und auf der Burgruine Landskron.

Ein Katzensprung entfernt vom Faaker See liegt über dem Ausläufer des Ossiacher Sees die Burgruine Landskron. Auf dem Weg die Mautstraße hinauf – gute Wanderer können auch im Tal ihr Fahrzeug abstellen – sind zunächst die Affen los. Als die ersten 49 Japanmakaken, die im Wald am Affenberg in Kärnten nahezu heimische Bedingungen vorfinden, gerade eingezogen waren, sorgten sie für eine spektakuläre Marketingmaßnahme.

Die jüngste Bewohnerin des Japanmakaken-Wildparks, erst 14 Tage alt, ist meist noch fest in Mamas Fell eingekrallt.

Als die Affen 1996 einzogen, war der Zaun oben mit Elektrodraht gesichert. „Nachdem der erste Affe einen Kurzschluss ausgelöst hatte, kletterten alle raus und zogen runter ins Dorf“, berichtet die Führerin zu Beginn der 45-Minuten-Tour durch das artgerechte Freigehege mit heute 167 Japanmakaken: „Zu Fressen fanden sie in den Gärten genug. Einige machten sich zudem über den Gemüsestand eine Supermarktes her.“

Inzwischen ist der Wildpark mit einem für die Japanmakaken unüberwindbarem Plastikaufsatz versehen, so dass sich die Affen ganz auf ihr Leben im Wald und den regelmäßigen Besuch der Touristen konzentrieren können. Die Gruppe wächst von Jahr zu Jahr, so dass auch die Wildparkleitung immer wieder Neues für die Japanmakaken baut. Jüngst entstand ein Teich mit Seilen und Klettergerüst darüber. „Zumindest die Jüngeren gehen gern ins Wasser. Gute Schwimmer sind aber alle Japanmakaken.“

Von den Besuchern, die nicht füttern dürfen, lassen sich die Japanmakaken kaum stören. Den Jüngsten und den Leittieren sind die Führungen sogar ganz lieb, denn dann gibt es von der Tierpflegerin immer wieder Obst, Gemüse oder Kartoffeln.

Einen Parkplatz höher – im Schatten der Burgruine, in der Gäste wie die früheren Fürsten tafeln können – warten die heimischen Greifvögel auf Besucher. In der Adler-Arena auf der Burg Landskron können zahlreiche Greifvögel – vom Kolkraben über Wanderfalken und Gänsegeier bis zum Steinadler – in den geräumigen Volieren beobachtet werden. Höhepunkt für die Besucher der Landskron sind natürlich die rund 40-minütigen Flugvorführungen der Greifvögel. Mit dem spektakulären Sturzflug des Steinadlers, der sogar schon eine Hauptrolle in einem Film spielte, endet die eindrucksvolle Show.

Für Inhaber der Kärnten Card fällt übrigens der Eintritt weg. Nur die 3,50 Euro für die Mautstraße muss an der Landskron entrichtet werden. Sie kostet für eine Woche 41 Euro für Erwachsene und 25 Euro für Kinder. Insgesamt entfällt über hundert Mal der Eintritt bei Kärntens schönsten Ausflugszielen. Zudem gibt es Ermäßigungen bei den Bonuspartnern. Die Kärtnen Card ist gültig vom 5. April bis 27. Oktober. Wer länger bleibt kann auch eine Zwei- oder Fünf-Wochenkarte (ab 67 Euro beziehungsweise ermässigt 34 Euro) erwerben. Beim Ausleihen von Elektro-Fahrrädern gewährt „Kärnten rent e bike“ zudem zehn Prozent Rabatt.

Aber auch schon die Erlebnis-Card der Region Villach, die teilnehmende Gastgeber kostenfrei für ihre Gäste ausstellen, lohnt sich. Mit der Erlebnis-Card kann zwischen 29. April und 3. November zum Beispiel der Zitrusgarten kostenfrei besucht werden oder ohne Zahlung an geführten Wanderungen und der Stadtführung teilgenommen werden. Auch die Radbusse (sogar über die Grenze) können frei genutzt werden. Selbst zwei Abendstunden im Warmbad Villach (Kärnten Therme) sind kostenfrei.

Dieser Uhu verlässt für die Flugshow hoch über Villach gern seinen Zinnenturm – schließlich haben die Falkner immer etwas Leckeres für die Eule dabei.

Im Cafe oder dem Restaurant auf der Landskron kann nicht nur getafelt werden. Bei herrlichem Ausblick über den Ossiacher See, die Kärntner Alpen sowie die italienischen und slowenischen Gipfel und hinab auf die Regionshauptstadt Villach schmeckt der Espresso oder das Villacher Bier besonders gut. Zudem lassen sich die Paraglider, die seit 1961 hier niedergehen, gut beobachten. Die Könner unter ihnen proben Kunststücke, so dass dem Betrachter der Atem stockt. Dies dürfte auch den Tandemspringern so gehen, wenn sie erstmals mit einem erfahrenen Begleiter aus 4000 Meter Höhe der Burg Landskron entgegen rasen.

Für die Wanderer ist die Stärkung vor dem Abstieg nach Affentheater und Greifvogelschau sicherlich sogar notwendig. Die Autonutzer stärken sich aber auch, zumindest wenn sie noch einen Spaziergang durch die historische Villacher Altstadt vornehmen wollen.

Von der Draunbrücke zieht sich der mediterran angehauchte Hauptplatz hoch bis zur Stadtpfarrkirche St. Jakob. Die Shopingmeile lädt nicht nur um die Dreifaltigkeitssäule zum Verweilen ein.

Geführt durch Informationen über das kostenfreie WLAN-Netz „WiVi“ kann die zweitgrößte Stadt Kärntens individuell besichtigt werden. Erstmals erwähnt wurde „Pons Uillah“, das heutige Villach, im Jahr 878. Es ist aber nachgewiesen, dass schon die Römer die warmen Quellen Villachs nutzten. Auch wenn durch 52 Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg Lücken in den historischen Baubestand gerissen wurden, lohnt besonders ein Sparziergang über den Hauptplatz und seine rechts und links abgehenden Gässchen.

Zurück am Faaker See wird sich nach einem abendlichen Bad im See kräftig gestärkt, denn am nächsten Tag steht Klettern auf der Agenda.

Blick von der 724 Meter hohen Taborhöhe auf den Faaker See. Selbst bei Regenwetter eine schöne Aussicht. [Foto: Dieter Wacker]

Von der Unterkunft wird gemütlich auf die 724 Meter hohe Taborhöhe „HocHHinAuf“ gewandert. Oben wartet nicht nur ein atemraubender Blick auf den Faaker See und eine gemütliche Berghütte zum Einkehren sondern auch der Waldseilpark und der 3D-Bogenparcour. Feste Schuhe und bequeme Kleidung und 25 Euro (17 Euro für Kinder zwischen sechs und 14 Jahren) reichen, um die weitläufige, sichere Anlage zu durchklettern. Anschließend können Gruppen ab fünf Personen sich noch im Scheiben- oder 3D-Bogenschießen messen, ehe in der Taborhütte Achkatzlspeck*, Gölbe Suppn*, Kasnudi* oder Wazan* aufgetischt werden.

Wem der Faaker See zu kalt ist, der springt einfach in einen der vier Pools des Karnerhofs.

Was sollten Urlauber am Faaker See unbedingt machen? „Wer nicht nur für ein langes Wochenende kommt, sollte zwingend einmal auf den Mittagskogel steigen“, empfahl Brigitte Koch mit einem Schmunzeln im Gesicht.

„Deshalb müssen wir ja auch jedes Jahr zurück zum Faaker See kommen“, erläuterte Ehemann Julius Koch: „Schließlich haben wir es bislang nur zur Hütte auf dem halben Weg geschafft, denn dann zwang uns ein Gewitter zur Umkehr.“ Sicherlich ein sehr guter Grund, Jahr für Jahr oder auch immer wieder zum Faaker See zu reisen.

Pfiati!*

* Übersetzungen aus dem Kärtner Dialekt: aufe = hinauf, Achkatzlspeck = dünn aufgeschnittener, fein durchzogener Speck, Gölbe Suppn = typische Villacher Kirchtagssuppe, Kasnudi = traditionelle gefüllt Teigtaschen, Wazan = Kärntner Hefeteiggebäck, Pfiati = Tschüss.

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